
Flexibel in der Anwendung und leicht zu installieren – so werden die Professional-Tonarme beworben, die Shure 1960 der Fachwelt vorstellt. Preiswert sind sie auch: Der M 232 kostet bescheidene 29,95 Dollar, die lange Ausführung M 236 ist mit 31,95 Dollar kaum teurer.
Typische Merkmale des Universaltonarms von Shure sind der geschlossene Tonkopf, das markante Gehäuse des Gegengewichts und der silberne Sockelfuß , dessen hochgezogener Ring wie die beiden anderen Teile aus schwarzem Kunststoff besteht.
Die kurze Version hat eine optische Verwandtschaft mit einem Tonarm aus deutscher Produktion: Mit seinem Erscheinungsbild sieht der Shure M 232 dem Arm des Plattenspielers PE 33 studio nicht unähnlich. Vergleichen Sie mal:


Gedacht sind die preiswerten Universaltonarme im Shure-Sortiment als Ergänzung der Dynetic-Modelle, die der Verwendung auf HiFi-Laufwerken der höchsten Qualitätsklasse vorbehalten sind. Die integrierten Tonarme M 212 und M 216 mit ihrer spitz zulaufenden Form habe ich in meinem letzten Blog-Beitrag vorgestellt.
Konstruktive Merkmale
Der Aufbau des Shure Professional ergibt sich aus folgendem Schaubild. Alle Drehpunkte des Tonarms mit seinem Rohr aus satiniertem Hartaluminium sind als Präzisionskugellager ausgeführt – von einer deutschen Fachzeitschrift als „Hochgenauigkeits-Kugellager“ bezeichnet.

Das Gegengewicht befindet sich im hinteren Teil des Sockelgehäuses. Zum Verstellen dient eine Rändelmutter, die unter dem rückwärtigen Ende des Tonarms leicht zugänglich ist. Diese Mutter verschiebt über eine Gewindespindel das Gewicht.

Blick auf Spindel und Rändelmutter zum Verstellen des Gegengewichts
Die Arbeitshöhe des Tonarms, dessen Verstellungbereich von 57 Millimeter auch die Montage am Garrard 301 erlaubt, wird mit einer Schraube am Fuß des Sockels justiert. Die Auflagekraft erzeugt eine Spiralfeder im Gehäuse, die an der Außenseite einen Zeiger vor einer Grammskala bewegt. Die Vorspannung der Feder ist ebenfalls über eine Spindel einstellbar.
Seitlicher Blick auf das Sockelgehäuse mit der Skala für die Auflagekraft: Der gewählte Auflagedruck kann im Bereich zwischen null und acht Gramm abgelesen werden

Garrard-Audioson, deutscher Importeur des Tonarms, bezeichnet die Skala fälschlicherweise als „sichtbare, eingebaute Nadeldruckwaage“. Eine typische Ungeschicklichkeit, die der damals in Deutschland noch ungewohnten HiFi-Technik geschuldet ist.
Kopf aus Hartplastik
Der Kopf des Professional nimmt alle handelsüblichen Tonabnehmersysteme auf. Nach Lösen der Überwurfmutter lässt er sich von dem verchromten Armrohr nach vorn abziehen und wieder anstecken.
Der Überhang von 15,2 Millimeter (17,9 Millimeter bei Modell M 236) lässt sich durch Verschieben eines Schlittens im Kopf, auf dem das Pickup montiert ist, mit Hilfe zweier Markierungen einstellen. Fixiert wird der Schlitten durch eine an der Kopfoberseite befindliche Schraube.
Der geschlossene Kopf mit fein gestalteter Oberfläche und leicht gepfeilter Form gilt als eines der gelungensten Designs der frühen 1960er Jahre

Wegen der reichlichen Verwendung von Hartplastik, das spröde werden und brechen kann, ist der Shure Professional umsichtig zu behandeln.

Hier ersetzt ein Metallstäbchen den leider abgebrochenen Griff des Armkopfes
Beim Lösen des Kopfes vom Armrohr muss ebenfalls besondere Vorsicht walten: Die abgewinkelte Steckerverbindung, durch welche die erforderliche Kröpfung des Drehtonarms erreicht wird, besteht aus dem gleichen Hartplastik, das spröde werden und bei Verkanten abbrechen kann.

Blick auf die Unterseite des Kopfes mit der kritischen Steckerverbindung
Im Fall eines Malheurs ist guter Rat buchstäblich teuer: Ein Ersatzkopf für den Professional-Tonarm ist schwer aufzutreiben. Und wenn einer mal auftaucht, dann kostspielig.
Tonarmkopf A23H mit OVP für Shure M 232 und M 236

Die Verpackung des Kopfes enthält Zusatzgewichte und Abstandshalter zweier Längen, um praktisch jeden Tonabnehmer mit Standardbefestigung montieren zu können. Verwenden lassen sich an dem Tonarm Systeme mit einem Eigengewicht zwischen 6 und 18 Gramm.
Eine höhenverstellbare Armstütze liefert Shure im Karton mit – obwohl sie in Bildern des Professional nicht abgebildet ist.

Von der Armstütze gibt es eine Version als Gabel, die bessere Ausführung (Bild) hat eine sichernde Klammer
Auch diese schwarze Stütze ist mit Vorsicht zu behandeln, da sie gleichfalls aus dem ziemlich leicht brechenden Hartplastik besteht.
Einfache Montage
Beim Befestigen des Shure Professional auf dem Tonarmbrett eines Thorens TD 124 oder dem Motorboard eines Garrard 301 ist vorteilhaft, dass die Montage von oben erfolgen kann.
Es sind lediglich ein Loch für die Durchführung der senkrechten Drehachse und drei Löcher für die Befestigung des Sockels zu bohren. Nach Eindrehen der Schrauben in den Fuß werden deren Köpfe von der groß dimensionierten silbernen Blende aus anodisiertem Aluminium verdeckt.
Für das exakte Bestimmen des Mittellochs ist auf der Rückseite des Kartons eine Schablone aufgedruckt. Nach dieser Hilfe montiert beträgt der maximale Tangentialfehler des Tonarms 2,5 Grad, wobei er in den kritischen Innenrillen einer LP null erreicht.

Bequemer Anschluss des Phonokabels unter dem Sockel
Das Abtastsystem ist über die vierpolige Steckverbindung im Tonarmkopf mit einem zweiten vierpoligen Stecker auf der Unterseite der Drehachse des Tonarms verbunden. Daran wird das abgeschirmte Phonokabel von 1,2 Meter Länge angeschlossen.
Der „lange“ M 236
Mit einer Gesamtlänge von 368 Millimeter ist die Studioauführung M 236 des Professional-Tonarms für ihre Gattung relativ kurz. Der Längenunterschied zum M 232 fällt nur wenig auf. Der M 236 dürfte der kürzeste Tonarm in der Kategorie der Studiomodelle sein.

„So gerade eben noch“ lässt sich diese Transkriptions-Schallplatte von 40 Zentimetern Durchmesser mit dem Shure M 236 abspielen. Der Thorens TD 124 – leider ohne Armlift – gehört Holger Trass
Im Gegensatz zur kurzen Variante taucht die lange Version auf dem Gebrauchtmarkt nur selten auf.
Trotz seiner beschränkten Länge macht der Shure M 236 auch auf der „Sparausführung“ des Thorens TD 124, dem Thorens TD 121, eine gute Figur


Ausgestattet ist hier der M 236 mit dem englischen Thermionic Microlift
Shure M 236 mit Decca-Motorlift und Leuchttasten à la EMT. Rote Taste: Arm angehoben. Grüne Taste: Arm abgesenkt. Stromversorgung mit 6-Volt-Trafo unter dem Thorens TD 121. Idee und Realisation: Peter Feldmann


Der Shure Professional ist heute noch in den USA zu günstigen Preisen beschaffbar – häufig schlecht erhalten, unvollständig oder verbastelt, manchmal aber auch unbenutzt und im Originalkarton. Selbst eine ausführliche Einstellehre wird im Online-Auktionshaus für den M 236 aus den USA angeboten
Noch ausführlichere geometrische Informationen über den M 236 enthält dieses Datenblatt von Shure. Ein Fest für die Mitglieder der Analogue Audio Association, die sich in ihrem Forum über Fachbegriffe wie „Lofgren A“, „Lofgren B“ oder „Stevenson“ herrlich streiten können. Highend-Haarspaltereien und Krümeldiskussionen gehen mir völlig ab

Resonanz in der Fachpresse
In den USA erscheinen zwei Testberichte über den Professional-Tonarm. Der Beitrag in High Fidelity, den die unabhängige Testorganisation Hirsch-Houck zuliefert, stammt vom Oktober 1960.
Gelobt wird in dem Beitrag der geringe Tangentialfehler und die große Reibungsfreiheit des kurzen Modells M 232. Außerdem das einfache Handling sowie das präzise Absenken in die Schallrille, das die weiße Markierung an der Vorderseite des Kopfes ermöglicht.
Weniger gefällt die geringe Genauigkeit der Verstellung für die Auflagekraft. Die Fehlertoleranz liege bei einem Gramm und mehr. Deshalb sei das Benutzen einer Tonarmwaage angeraten.
Da der Shure Professional nur vertikal, aber nicht horizontal dynamisch ausbalanciert ist, sei der Tonarm empfindlich gegen Erschütterungen. Außerdem müsse das Laufwerk exakt horizontal aufgestellt sein.
Shure M 232 mit Dextrafix-Armlift auf Thorens TD 121. Ein stimmiges Bild: Sämtliche Komponenten stammen aus den frühen 1960er Jahren


Der Dextafix-Mikrolift wird in Deutschland ebenfalls von Garrard vertrieben – zum Preis von 23,50 DM
Einen Monat später beschäftigt sich die Zeitschrift Audio mit dem Shure M 232 – und hebt sowohl die problemlose Installation als auch die leichte Einstellmöglichkeit des Tonarms hervor.
Die Anleitung für das Befestigen des Abtastsystems im Kopf sei die ausführlichste, die der Redaktion je untergekommen ist. Für nicht weniger als 28 verschiedene Modelle wird darin die optimale Montageposition aufgeführt.
Obwohl der Arm auch bei Auflagekräften zwischen einem und zwei Gramm abtastet, empfiehlt Audio das Shure M 3 D mit drei und das M 7 D mit fünf Gramm Auflagekraft als optimale Tonabnehmer. „Der M 232 eignet sich für jedes Laufwerk und arbeitet so gut wie er aussieht.“

„Ein Einzeltonarm nach Qualitätsmaßstäben von Shure – so wirbt der US-Hersteller für den Professsional-Tonarm bei seiner Einführung im Jahre 1960
In Großbritannien erscheinen über den Shure M 232, der dort 17 Pfund kostet, gleich drei Berichte. Die lange Ausführung M 236 ist zum Preis von 18 Pfund ebenfalls lieferbar. Ersaztonköpfe A23H sind beim Londoner Importeur für jeweils 2 Pfund erhältlich.
In den Hi-Fi News vom Dezember 1961 stellt Bert Webb zunächst fest, dass mit dem M 232 den britischen HiFi-Freunden nunmehr drei Einzeltonarme zur Verfügung stehen:
„Einer der Tonarme stammt aus heimischer Produktion, nämlich der unübertroffene SME. Dann gibt es den dänisch-niederländischen All Balance und jetzt aus den USA den Arm von Shure. Andere hochwertige Vertreter wie der Acos Hi-Light und die Modelle von Ortofon lassen sich nur mit ihren eigenen Abtastköpfen verwenden.“

Von oben besehen wirkt der Professional-Tonarm sehr elegant
Der Shure M 232 erscheint dem Tester solide konstruiert: „Alle Lager arbeiten ohne merkliches Spiel, der Arm erweist sich als leichtgängig.“ Auch ihm fällt die Ausführlichkeit der Bedienungsanleitung ins Auge.
Im Gegensatz zu High Fidelity beurteilt Webb die Einstellung der Auflagekraft am Professional als ausreichend präzise: „Ich bevorzuge zwar Gewichtseinstellungen ohne Federspannung, aber diese Einrichtung erfüllt ihren Zweck.“ Lediglich einen integrierten Lift vermisst der Testingenieur „bei einem Tonarm dieser Qualität“.
Als optimalen Tonabnehmer empfiehlt Webb das Shure M 3 D/N 21 D, das sämtliche LPs bei 3 Gramm Auflagekraft sicher abtastet. Lediglich schwierige Testschallplatten erfordeten 5 bis 6 Gramm Auflagedruck. Sein Gesamturteil:
„Der M 232 ist fraglos einer der wenigen guten Universaltonarme. Sicher keiner für den Normalbürger, sondern für HiFi-Freunde, die bereits sind, für Arm und Abtaster 30 Pfund auszugeben. Der Shure Professional arbeitet nicht nur perfekt mit den Tonabnehmern aus dem eigenen Haus, sondern auch mit denen anderer Hersteller. Eine erfreuliche Neuerscheinung auf dem britischen Markt!“
Die Audio & Record Review stellt im April 1962 den M 232 ihren Lesern vor und bezeichnet ihn in der kleinen Gruppe der Einzeltonarme als „wichtiges neues Mitglied“. Der Arm sei so leichtgängig, dass er viele Schallplatten mit dem Shure M 3 D schon bei zwei Gramm Auflagekraft abtastet.
Auch die Review moniert am Shure Professional das Fehlen eines integrierten Armlifts. „Bis auf dieses Manko lässt der Arm aber nichts zu wünschen übrig. Sehr empfehlenswert.“
Schließlich ist im gleichen Monat der M 232 der Schallplattenzeitschrift Gramophone einen Bericht wert. Darin findet HiFi-Urgestein Percy Wilson über den Tonarm gute Worte.
Positiv vermerkt der Autor vor allem die Tatsache, dass die Tonleitungen keinen unerwünschten Drehmoment ausüben, da sie im Drehpunkt den Sockel hinabgeführt werden. Was damals keineswegs selbstverständlich ist. Wilsons Einordnung: „Einer der drei oder vier besten Einzeltonarme auf dem britischen Markt.“
Shure Professional in Deutschland

1960 und damit fast zeitgleich mit dem Erscheinen der Professional-Tonarme in den USA nimmt die Garrard-Vertretung in Frankfurt die Modelle Shure M 232 und M 236 in ihr Programm auf
Allerdings verkaufen sich die Shure-Tonarme unter der Ägide von Garrard nur wenig bis gar nicht. Der hiesige Markt ist noch nicht reif für hochwertige HiFi-Geräte aus dem Ausland

Um Kosten zu sparen, fusioniert die Garrard-Verkaufsgesellschaft an der Hauptwache im Jahre 1961 mit Audioson. Der Frankfurter HiFi-Import hat sich auf die Belieferung von Angehörigen der US-Armee über die PX-Läden spezialisiert. Die neue gemeinsame Vertriebsfirma im Westend trägt den Namen Garrard-Audioson.
Als Spielpartner für die Professional-Tonarme empfiehlt Garrard-Audioson die Tonabnehmer Shure M 33 und Shure M 77 – Nachfolger der bewährten Typen M 3 D und M 7 D


Ab den frühen 1960er Jahren gewinnt der Aspekt größtmöglicher Plattenschonung immer mehr an Gewicht: Die Shure-Vertretung wirbt mit der federleichten Auflagekraft ihrer Universaltonarme: „Wahrhaft die schonendste Abtastung, die wertvollen Schallplatten jemals zuteil wurde“. Beide Versionen kosten in Deutschland das Gleiche: 136,35 DM
Auch in der deutschen Fachpresse ist über den Professional-Tonarm einiges zu lesen:
In der Musikzeitschrift fonoforum, Jahrgang 1960, zeigt sich Chefredakteur Ernst Pfau vom M 232 sehr angetan: „Der Vorteil, in den abschraubbaren Tonabnehmerkopf beliebige Systeme einsetzen und den Überhang dort individuell justieren zu können, wird gerade vom experimentierenden Schallplattenfreund begrüßt werden.“
In einem undatierten Fachaufsatz lobt Karl-Heinz Kämmer – ebenso wie sein britischer Kollege Percy Wilson – dass bei der Installation des Shure Professional keine Lötarbeiten erforderlich sind:
„Die durch den Tonarm geführten Anschlussdrähte können extrem dünn gehalten werden, denn keine Werkstatt und kein Amateur braucht daran zu arbeiten. In der Niederführung werden die Drähte beim Hersteller richtig gelegt und angeschlossen. Knäuelbildung durch unsachgemäßen Anschluss ist deshalb unmöglich. Die Tonarmbewegungen werden von den Anschlussdrähten nicht behindert, was sonst ein Mehrfaches der Lagerreibung ausmachen kann.“

Positiv äußert sich Wilhelm Roth in der Funk-Technik. Als Spielpartner empfiehlt er den Garrard 301, der ebenfalls von Garrard-Audioson in Deutschland angeboten wird
Vertriebsübernahme durch Braun
Nach enttäuschenden Verkaufszahlen bei Audioson überträgt Shure den Vertrieb seiner Erzeugnisse in der Bundesrepublik 1963 der wirtschaftlich stärkeren Braun AG, die damals ebenfalls ihren Sitz in Frankfurt am Main hat.
Da Shure zu der Zeit die Vertretung der SME-Tonarme in den USA übernimmt, verfügt Braun über gleich zwei Reihen von Einzeltonarmen im Programm: Den Shure SME und den Shure Professional.

Außer den Einzeltonarmen Shure SME 3009, 3012 Serie II führt Braun die „Professional“-Tonarme M 232/36 in seinem Gesamtkatalog
Während die SME-Tonarme von der Fachwelt hoch gelobt werden und ein „Shure SME“ auf dem Thorens TD 124 als Nonplusultra gilt, tendiert die Nachfrage nach den Professional-Tonarmen unter den Fittichen von Braun weiter gegen Null.
Da hilft auch nicht, dass Braun bei Kunden auf „die ausgezeichneten Shure-Tonarme“ hinweist – so in einem Schreiben an meinen Gönner Dr. Karl Gerhard Baur vom 12. März 1963 . Auf einem Thorens TD 124 ist der kurze Professional-Tonarm nur selten zu sehen, der M 236 noch seltener.
Als gegen Ende der sechziger Jahre die Firma Sonetic in Eschborn bei Frankfurt den Shure-Vertrieb übernimmt, erweist sich die Nachfrage weiter als mau: Der Professional-Tonarm ist und bleibt in Deutschland Ladenhüter. In den USA dagegen findet man ihn selbst noch 1973 – 13 Jahre nach der Markteinführung – im Gesamtkatalog von Shure.
Exotische Zusammenstellung
Eine ungewöhnliche Kombination des Shure M 232 Professional mit einem deutschen Laufwerk ist der Plattenspieler Saba 360 – und das kam so:
1964 fusioniert das Stuttgarter Pionierunternehmen Klein + Hummel seine legendäre „Telewatt“-Sparte mit den HiFi-Aktivitäten des Schwarzwälder Rundfunk- und Fernsehgeräteherstellers Saba in Villingen – eine Ehe, die allerdings nur zwei Jahre hält.
Auf der Suche nach einem besonders hochwertigen Plattenabspielgerät für das gemeinsame Programm fragt Firmenchef Walter Hummel zunächst bei Thorens in der Schweiz an. Das Starprodukt des Unternehmens, den Thorens TD 124, will man in Sainte-Croix aber dafür nicht zur Verfügung stellen.
Das darunter angesiedelte Modell, der Thorens TD 135, ist bereits an Telefunken „vergeben“ und wird in Deutschland mit leicht verändertem Aussehen und der Halbautomatik des Thorens TD 184 als Telefunken studio 220 angeboten.
Der Dual 1009 wiederum fällt wegen seines Plattentellers von lediglich 27,5 Zentimeter Durchmesser und der Wechselmechanik als Lösung für das Saba-Spitzenmodell aus.
Telewattchef Walter Hummel kombiniert die Fabrikate Braun, Shure und Ortofon zum erfolglosen Plattenspieler Saba 360

Schließlich wird Hummel mit der Braun AG in Frankfurt handelseinig, die ihm das Laufwerk ihres Einzelplattenspielers PC 5 sowie den von ihr aus den USA importierten Shure-Professional-Tonarm für das Projekt zur Verfügung stellt.
Dann wird der Spieler noch um das Shure-System M 44 und einen „Hi-Jack“-Tonarmlift der dänischen Firma Ortofon ergänzt, deren Vertretung in Deutschland damals bei Klein + Hummel liegt.

Verkauft wird die teure und schon bei ihrer Einführung angestaubt wirkende Kreation mit dem Shure M 232 Professional allerdings wenig bis gar nicht – schon wegen des hohen Preises von 700 DM
„Nicht nur die ausgeklügelte Technik, auch die geschmackvolle Form des Holzgehäuses mit Plexiglashaube besticht“, heißt es über die schräge Kombination im Saba-Telewatt-Gesamtprospekt. „Der Saba-Plattenspieler 360 ist ein HiFi-Baustein, der sich harmonisch in jede Wohnatmosphäre einfügt.“
Start mit Radio-Bausätzen
Die Ursprünge von Shure reichen bis ins Jahr 1925 zurück. Damals legt Sidney N. Shure in einem kleinen Büro in Chicago für sein Unternehmen den Grundstein. Die „Shure Radio Company“ verkauft anfangs Radio-Bausätze. Drei Jahre später steigt sein Bruder Samuel in das Unternehmen mit ein, das sich fortan „Shure Brothers Company“ nennt.
Schon nach wenigen Jahren beschäftigt die Firma 75 Mitarbeiter. Der Zusammenbruch von Wirtschaft und Börse am Beginn der 1930er Jahre sowie das Aufkommen fertig montierter Radioempfänger stellen das junge Unternehmen auf eine harte Probe. Ein Großteil der Mitarbeiter muss entlassen werden, das Geschäft kommt zum Erliegen.
Sidney N. Shure (rechts) ändert sein Unternehmenskonzept komplett. Statt Radio-Bausätze zu vertreiben, werden bei Shure nun erfolgreich Mikrofone entwickelt und hergestellt. Hier posiert der Unternehmenschef mit dem Entertainer Sammy Davis Jr.

Ab 1937 verschafft sich Shure auch durch die Fertigung von Tonabnehmern für Plattenspieler weltweit hohen Bekanntheitsgrad.

Stammsitz von Shure in Evanston seit 1956: In dem Flachbau werden MM-Systeme unter Elac-Lizenz hergerstellt
Samuel Shure hatte das Unternehmen bereits 1930 wieder verlassen. Doch das Wort „Brothers“ bleibt bis zur Umbenennung der Firma 1999 in „Shure Incorporated“ und dem Umzug an den benachbarten neuen Standort Niles Bestandteil des Namens.
