Eine neue Rubrik …

Nach Erscheinen des zweibändigen Großwerks SCHWEIZER PRÄZISION äußere ich mich zu bestimmten Themen meines Spezialgebiets von Zeit zu Zeit weiter und bleibe mit meinen Lesern gern im Dialog. Schauen Sie doch öfter mal hier in die Rubrik „Aktuell“ meiner Homepage, die ihrem Namen Ehre machen soll und in der Sie immer wieder neue, hoffentlich interessante Beiträge finden.

Nie gesehene Schallplattencover …

Aus meiner umfangreichen Sammlung von etwa 6000 LPs – darunter rund 2000 Monos und 350 Schellacks – präsentiere ich hier Scheiben, die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Schwerpunkt meines „schwarzen Goldes“ sind die 1950er und frühen bis mittleren 1960er Jahre – die Zeit meiner Jugend.

Rock ’n‘ Roll, Twist, Surf, Beat und verhallte Gitarren haben mich nie losgelassen. Klassik? Eher nein – da bin ich vorgeschädigt durch die Verachtung, die Kulturbeflissene „meiner Musik“ zur Sturm- und Drangzeit entgegenbrachten. Mit dem progressiven Rock der späten 1960er und der 1970er Jahre konnte ich erst recht nichts anfangen. Aus Frust darüber habe ich mich immer tiefer in die fünfziger Jahre eingegraben – und mit Ryhthm & Blues und Doo-Wop zwei weitere spannende Sammelgebiete entdeckt.

Die Covergestaltung hat sich ab Mitte der 1960er Jahre grundlegend gewandelt. Schallplattensammler, die mit LPs der 1970er und 1980er Jahre aufwuchsen – das sind die meisten – werden so alte Designs noch nie gesehen haben. Als erste Scheibe stelle ich 25-cm-LP der frühen 1950er Jahre vor. Eigentlich nicht mein originäres Sammelgebiet. Aber es steckt eine interessante Story dahinter – und deshalb musste ich sie mitnehmen

Plattenfund bei „Radio Engelmann“

„Warst Du schon bei Radio Engelmann?“ raunte mir 1977 auf einer Plattenbörse mein Nachbar zu, der eine Kiste mit LPs eifrig durchsuchte. Dem Radiogeschäft in Düsseldorf eilte damals unter Rock ’n‘ Roll-Freunden der Ruf einer besonderen Fundgrube voraus. Wer den Laden in einer biederen Vorortgegend betrat, fühlte sich in eine andere Welt versetzt.

Freddie Brocksieper (1912-1990) gilt als Hauptfigur des frühen europäischen Bigband-Jazz. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte er auch in amerikanischen Offiziersklubs. Brocksieper mit seinen „Boys“ und schwarzer Sängerin brachte es sogar auf die Titelseite von Stars and Stripes, der Zeitung der US-Streitkräfte

Das Besondere: Hier gab es noch jede Menge Langspielplatten mit 25 cm Durchmesser – die damals schon sehr gesucht waren. Allerdings keine Operetten!

Schweizer Präzision im Blog

Seit 30 Jahren ist Claus Volke vielfältig mit der Musikbranche verbunden. Nachdem der Musikliebhaber über zehn Jahre für zwei bekannte HiFi/High-End Magazine im deutschsprachigen Raum als Test-Autor für Wiedergabegeräte und Zubehör tätig war, unterhält er mit seiner Webseite „Hören & Fühlen“ inzwischen ein interessantes Medium, das in kurzen Abständen immer wieder mit neuen Beiträgen gefüttert wird.

Der Besitzer eines Thorens TD 121 und meines Werkes SCHWEIZER PRÄZISION hatte mich eingeladen, für seine Webseite regelmäßig Artikel beizusteuern, um damit meinem Spezialgebiet im Netz ein weiteres Podium zu bieten.

Viel High-Endiges gibt’s auf „Hören & Fühlen“ zu lesen – doch auf mein Bedenken, ob für Vintage-Themen dort der richtige Platz sei, entgegnet Volke: „Da täuschen Sie sich mal nicht. Gerade im analogen Bereich ist Vintage viel mehr als ein Boom – ein Bewusstsein für Handwerk, Qualität und Nachhaltigkeit. Vintage ist viel mehr als „alte Geräte“. Röhren und Schallplatten sind Vintage UND aktuelles HiFi.“

In meinem neuesten Blog-Beitrag (Oktober) schildere ich, wie man an ein original belassenes, nicht „gemachtes“ Laufwerk als Basis einer seriösen Revision „herankommt“ – und welch unglaubliches Glück mir dabei einmal widerfuhr: Ein praktisch fabrikneuer Thorens TD 124 mit Werkstonarm BTD-12 S aus dem pfälzischen Mutterstadt gegen drei Flaschen guten Wein!

Hier geht’s zum Blog:

https://www.hoeren-und-fuehlen.de/category/vintage/

Mein nächster Blog-Beitrag erscheint Anfang November. Erfahren Sie darin die HiFi-Lebensgeschichte des Mannes, der mir zu diesem einmaligen „Fischzug“ verhalf.

Mein generöser Tippgeber auf einer Wanderung im Pfälzer Wald

In den Rubriken Vintage und Klassiker finden Sie jeden Monat einen neuen Beitrag von mir – schwerpunktmäßig natürlich rund um den Thorens TD 124, aber auch über andere HiFi-Klassiker und Vintage-Themen.

Claus Volke hat mein zweibändiges Großwerk auf YouTube vorgestellt:

Im Begleittext zu seinem Filmbeitrag schreibt Volke:

„Joachim Bung hat mit seiner dritten Auflage des bereits als Standardwerk zählenden Buches ‚Schweizer Präzision‘ dem Thorens TD 124, aber auch seinen Mitbewerbern und fast allen herausragenden HiFi-Geräten der 60er Jahre ein phantastisches Denkmal gesetzt. Fast 1000 Seiten mit rund 2000 Bildern und Texten, die deutlich machen, dass die Menschen hinter dem Buch nicht nur Musik lieben, sondern wirklich wissen, worüber sie da schreiben. Ein Meisterwerk nicht nur für Fans von Vintage-Geräten und Klassikern der HiFi-Geschichte. Viele dieser Geräte sind auch heute noch mehr als nur wettbewerbsfähig …“

Damals war’s: Meine „Nostalgie-Ecke“

Zur Einstimmung auf die neue Rubrik meiner Webseite – auf der es ja wie in meinen Büchern durchgängig um „alte Sachen“ geht – einige Motive, an die sich nur noch Leser im Ruhestandsalter erinnern können:

Typisches Radiogeschäft – das Verkaufspersonal in weißen Mänteln mit Kugelschreiber in der Brusttasche. Vorwiegend Singles und EPs gingen hier über den Ladentisch. LPs – das wissen die Leser von SCHWEIZER PRÄZISION – erlangten erst ab Mitte der 1960er Jahre größere Bedeutung

Musikbar ganz im Stil der späten 1950er Jahre mit Stielhörern. Auch hier dominierten noch die 45er Kleinplatten – nur wenige Longplays lockten hinter dem Tresen im obersten Regal

Die schwarzen Scheiben konnte man damals vor dem Kauf noch anhören. Jede Anschaffung wollte angesichts knapper Kassen wohlüberlegt sein.

Schallplattenzentrale in Frankfurt am Main, Baseler Platz: Verkäuferinnen in Plisseekleidern mit Polydor-Anstecknadel legen Singles auf. Die Plattenspieler mit viel grauem Kunststoff, Plastik-Tonarm und Kristall-Tonabnehmer

Schallplattenfund im Londoner H.M.V.-Shop an der Oxford Street. In Nischen an der Wandseite konnte man sich die 24 meistverlangten Songs anhören. Abgespielt wurden die Singles in einem Nebenraum von zwei Dutzend Garrard-Automatikspielern in Dauerfunktion

Erst gegen Ende der 1960er Jahre, mit wachsendem Wohlstand, spielte es für die Käufer eine immer geringere Rolle, wenn eine Langspielplatte nicht nur gewünschte Titel enthält. Man kaufte fortan versiegelte LPs als Ganzes – vor allem die Konzeptalben progressiver Rockgruppen, die zu dieser Zeit in Mode kamen.

Garrard in Deutschland – eine kommerzielle Leidensgeschichte

Auf Anregung von Lesern ist in meinem Verlag eine Reproduktion der legendären Verkaufsbroschüren von Garrard und Garrard Audioson erschienen, deren Inhalt vollumfänglich in Schweizer Präzision keinen Platz gefunden hätte – eine wichtige Ergänzung des Schubers.

Auch mir ist es Bedürfnis, diese sehr raren Unterlagen einem größeren Interessentenkreis zugänglich zu machen und der Nachwelt zu erhalten – schließlich sind meine Bücher Bestandteil der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt und Leipzig, der Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain in Wiesbaden sowie der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern. Da die deutsche HiFi-Bewegung, wie meine Recherchen ergaben, von der Mainmetropole aus ihren Anfang nahm, hat auch das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte SCHWEIZER PRÄZISION in sein Archiv genommen.

Vierfarbige Dokumentation mit kaschiertem Softcover und Klebebindung, 76 Seiten

Die deutsche Garrard-Vertretung an der Hauptwache (Titelfoto), später im Westend, bestand nur von 1959 bis 1964. Schwerpunkt der Dokumentation bildet die vollständige Wiedergabe der drei gesuchten Produktkataloge von Garrard und Garrard Audioson.

Weiteres Highlight der Broschüre ist die Reproduktion des einzigen deutschen Testberichts über den Garrard 301. Der Beitrag erschien nach der Präsentation des britischen Laufwerks auf der Industriemesse Hannover in einer längst verflossenen Fachzeitschrift. Das war 1961 – noch vor Gründung des Deutschen High Fidelity Instituts und des ehemaligen Zentralorgans aller HiFi-Adepten, der HiFi-Stereophonie.

Der redaktionelle Teil der Druckschrift schildert den mühevollen, von zahlreichen Rückschlägen begleiteten Vertrieb ausländischer HiFi-Geräte im Westdeutschland der frühen 1960er Jahre – eine kommerzielle Leidensgeschichte. Finden Sie mal im Nachkriegsdeutschland für eine hier völlig unbekannte, 2000 Mark kostende englische Bandmaschine einen Käufer, wo bei den Top-Modellen von Marktführer Grundig schon in der Preisregion 800, 900 Mark Schluss war!

Britisches Tonbandgerät von Ferrograph. Schon nach einem Jahr nahm die deutsche Garrard-Verkaufsgesellschaft an der Frankfurter Hauptwache den Ladenhüter wieder aus dem Programm

Auch der Garrard 301 verkaufte sich in der Hochburg von Elac, Perpetuum-Ebner und Dual mehr schlecht als recht. Kam tatsächlich mal ein Interessent in das Frankfurter Rundfunk- und Fernsehkaufhaus Radio Wächtershäuser, tat er sich damit schwer, dass der Garrard 301 weder Tonarm noch Tonabnehmer, geschweige denn den von deutschen Plattenspielern gewohnten Komfort der Automatik hat.

Radio Wächtershäuser an einem Herbstabend 1961: Die kleine HiFi-Abteilung des Fachkaufhauses gegenüber dem Hotel Frankfurter Hof befand sich in der dritten Etage

Die unterhalb des Spitzenmodells rangierenden Garrard-Spieler und der Tonarm TPA/12 waren nach Auskunft des ehemaligen Audioson-Vertriebsleiters Dieter Fricke in Deutschland alle unverkäuflich – so auch dieser Garrard 4HF in Keksdosen-Zarge, bekannt als „Baby 301“

Dieter Fricke: „Ich kann mich an viele Ereignisse bei Garrard Audioson noch gut erinnern – an Journalist Ernst Pfau, der als Junggeselle ein Verhältnis mit einer unserer Bürodamen hatte, und an bekannte Namen der alten HiFi-Garde wie Dieter Ludenia von Fisher/Elac sowie an die Braun-Mitarbeiter Manfred Walter, Wolfgang Hasselbach und Wolfgang Seikritt, der als Entwickler von Lautsprechern später Mitbegründer von Canton war“

Die in der Broschüre reproduzierten Dokumente, von denen nur wenige beziehungsweise – im Falle der Garrard Verkaufsgesellschaft an der Frankfurter Hauptwache – wahrscheinlich nur ein einziges (!) Exemplar überlebt haben, stammen aus dem Nachlass von Wolfgang Hasselbach, dem früheren Entwicklungsleiter der HiFi-Geräte von Braun in Kronberg.

Hasselbach, 1924 in Falkenstein geboren, kam vom Bad Homburger Magnetton-Spezialisten Assmann, Hersteller von Diktiergeräten und Sprachlabors für Schulen (auch sowas gab’s einmal …). In Vorbereitung des HiFi-Programms von Braun unternahm der Physiker ab 1960 Informationsreisen zu führenden Herstellern im In- und Ausland. Wieder zu Hause in Königstein, sortierte der kleine, agile Mann die bei den Firmen mitgenommenen Unterlagen und legte eine umfangreiche Sammlung von HiFi-Prospekten an. Nach seinem Tod im Juni 2011 konnte ich den einmaligen Dokumentenschatz für die Broschüre – und natürlich auch für SCHWEIZER PRÄZISION – nutzen.

Wolfgang Hasselbach baute bei Braun das legendäre HiFi-Programm auf

Highlights im zwölf Order umfassenden Hasselbach-Archiv sind neben dem ersten Garrard-Katalog aus dem Jahr 1959 die originalen Informationsblätter der Rundfunkplattenspieler EMT 927 und EMT 930 sowie ein prächtiger Farbprospekt des Vollverstärkers VS-71 von Klein + Hummel. Diese ebenfalls sehr seltenen Dokumente sind in SCHWEIZER PRÄZISION vollständig reproduziert.

HiFi-Studio von Braun am Frankfurter Opernplatz: Hier fanden öffentliche Schallplattenkonzerte bei freiem Eintritt statt. Die Vorführungen wurden von zahlreichen hoch konzentrierten Musikliebhabern verfolgt und zu einer fest mit dem Namen Braun verbundenen Institution

Im Gespräch mit Wolfgang Hasselbach in der Ausstellung Braun HiFi: Ursprung einer Designkultur. Für die 2008 in der BraunSammlung Kronberg ausgerichete, mehrmals verlängerte Präsentation hatte ich die Redaktion der Ausstellungszeitung Braun live übernommen

Aufwendige grafische Aufbereitung

Auch beim Supplement zu Band 2 von SCHWEIZER PRÄZISION hat Grafiker Udo Beykirch sein ganzes Können aufgeboten, um den hifi-historisch hochinteressanten, aber angejahrten und wie damals üblich gelochten und gestempelten Katalogen per Photoshop-Aufbereitung sowie mit sorgfältigen Textreparaturen der gelochten Stellen ihren alten Glanz zu verleihen – besser als neu!

HiFi-Start in Frankfurt – die durchgehend vierfarbige, von einem erläuternden Text begleitete Dokumentation mit kaschiertem Softcover und Klebebindung entsteht in hochwertigem Digitaldruck – in der gleichen Druckerei, die auch mein zweibändiges Großwerk im Schuber gefertigt hat. In der Rubrik „Leseprobe“ können Sie sich ausgewählte Seiten anschauen – und die Druckschrift in der Rubrik „Bestellen“ über den Button per Mail anfordern.

Wer die drei gesuchten Produktkataloge im Original erwerben wollte, müsste dafür den mehrfachen Preis der Broschüre ausgeben – falls die Unterlagen überhaupt jemals auftauchen. Selbst Experten in Großbritannien wissen nichts von der Existenz der kurzlebigen deutschen Garrard-Repräsentanz. Auch nichts von den späteren, gleichfalls erfolglosen Garrard-Vertretungen – ab 1964 Melchers in Bremen, seit 1966 Dipl.-Ing. Franz Eben in Dachau und in den frühen 1970er Jahren Boyd & Haas in Köln.

US-Tonarme im Portrait

Auf der Plattform „Hören und Fühlen“

https://www.hoeren-und-fuehlen.de/category/vintage/

präsentiere ich einige historische Tonarme aus meiner Sammlung. Der neueste Beitrag in dieser Serie gilt einem hierzulande unbekannten US-Tonarm, der aus einem besonderen Aspekt sehr interessant ist: Es gibt davon eine zweiköpfige Ausführung! Und zwar zum Abspielen von Stereo-Schallplatten nach dem System von Emory Cook. Bei diesen Scheiben sind die beiden Kanäle auf getrennten Bändern aufgezeichnet. Genau dafür braucht man diesen verrückten Arm!

Zweiköpfiger Tonarm der US-Firma Livingston. Der Thorens TD 124 mit dem Arm-Exoten gehört einem Sammler alter Phonographen aus der Westschweiz

In meinem Werk SCHWEIZER PRÄZISION habe ich den seltsamen binauralen Tonarm im Kapitel über die englischen Plattenspieler von Connoisseur eine ganze Doppelseite gewidmet. Warum Connoisseur? Weil Firmenchef Arnold Sugden sich schon Anfang der 1950er Jahre mit der Möglichkeit zweikanaliger Tonwiedergabe über Schallplatten beschäftigt und dafür ein eigenes Aufzeichnungssystem entwickelt hat. Damit war er „Bruder im Geiste“ von Emory Cook. Während aber Cook für Stereo-Wiedergabe auf der Schallplatte zwei getrennte Bänder vorsah, gelang es Sugden, die zweikanalige Toninformation in einer einzigen Schallrille unterzubringen. Sugden war damit der Firma Westrex weit voraus, die erst 1958 die heute noch verwendete 45-Grad-Schrift einführte.

Es lohnt, diesen Beitrag im Blog sich anzusehen.

Kein Liebling der Frauen: 10 Zoll-Transkriptionstonarm Pickering 190 D mit fächerförmigem Gegengewicht, Baujahr 1954

Ebenfalls schon erschienen ist das Portrait des amerikanischen 10 Zoll-Tonarms Pickering 190 D, den ich bereits in SCHWEIZER PRÄZISION vorgestellt hatte. Leider nur mit einer Bauzeichnung als Illustration. Nach Veröffentlichung der dritten Auflage war es mir gelungen, einen solchen „Prügel“ im Zustand „New Old Stock“ zu erwerben und auf meinem Thorens TD 124 mit der frühen Baunummer 14302 von 1959 zu fotografieren. „Kein Tonarm, der Frauen gefallen will“ schrieb ich zum Pickering in Band 1 meines Großwerks.

Machen Sie sich selbst ein Bild!

Innovative Abtastkombination

In den letzten Monaten beschäftigte mich ein besonderer Neuzugang in meinem kleinen „Gerätepark“: ein ungewöhnlicher Thorens TD 124/II aus Großbritannien mit einer ganz seltenen Tonabnehmer- und Tonarmkombination, dem Miniconic-System der amerikanischen Firma Euphonics.

Thorens TD 124/II mit Euphonics Miniconic Abtastsystem – eine sehr seltene Armkombination. Der frühere Besitzer wollte das Neueste vom Neuesten auf seinem Laufwerk haben. Technisch war Euphonics seiner Zeit um mindestens zehn Jahre voraus

In Band 1 von SCHWEIZER PRÄZISION habe ich dem Abtastsystem, das 1965 nach einem völlig neuen Verfahren arbeitete, das MC- sowie MM-Systeme überflüssig machen sollte und nach dem Urteil der Fachpresse in der Liga von Ortofon SPU, Decca ffss und Shure V-15 spielte, volle drei Seiten gewidmet. Nie hätte ich gedacht, ein Exemplar dieser Rarität einmal erwerben zu können!

Weder Moving Magnet noch Moving Coil: Das Euphonics Miniconic arbeitet im Prinzip wie ein Kristall-Tonabnehmer, vermeidet aber dessen Nachteile. Zum Betrieb müssen 3 Volt Gleichspannung anliegen

Normalerweise sind solch exotische Teile heute abgerockt – nicht aber diese Kombination! Zum Lieferumfang zählten gleich zwei tadellos funktionierende Tonköpfe „im Philips-Design“ – die Meinung einer meiner Buchkunden – und das für die Gleichspannung notwendige Versorgungsteil.

Über die technischen Details des Miniconic-Systems und meine praktischen Erfahrungen lesen Sie eine vierteilige Artikelserie im Blog.

Anzeige des britischen Euphonics-Importeurs Elstone Electronics im mittelenglischen Leeds. Angeblich soll der Kopf auch am SME-Tonarm 3009/II verwendbar sein. Wie – das hat sich mir nicht erschlossen

Allerdings wollte der britische Verkäufer den Euphonics-Tonarm nur zusammen mit dem TD 124/II abgeben – zu einem selbstbewussten, in dem Fall aber gerechtfertigten Preis, denn auch das Laufwerk befand sich in einem sehr guten Zustand. Peter Feldmann hat es komplett revidiert, wobei der Spieler einen neuen Überteller von SWISSONOR erhielt und mit einer schwarzen Ortofon-Zarge ST-104 aus meinem Bestand kombiniert wurde. Zurzeit besitze ich vom grauen Modell drei Exemplare. Dieser TD 124/II ist, weil nach der Feldmann-Revision völlig geräuschlos laufend, inzwischen mein Bester!

Optimal passen auf den 1965 erschienenen Thorens TD 124/II der Werkstonarm TP 14 sowie kurze und lange SME-Tonarme der Serie II mit Metall-Messerlagern, die vom deutschen Importeur Paillard-Bolex bereits auf dem TD 124/II vormontiert erhältlich waren. Gar nicht passt dagegen der am weitesten verbreitete, aber am wenigsten gefragte SME 3009/II improved mit abgeflachtem Gegengewicht und Kunststofflagern für die Vertikalbewegung. Er kam erst 1972 auf den Markt. Auf dem TD 124, dessen Produktion schon fünf Jahre früher ausgelaufen war, wirkt dieser leichte Arm nicht authentisch.

Exklusiv ist die Kombination des Thorens TD 124/II mit dem Ortofon RS 212. Der dänische Tonarm erschien im gleichen Jahr und wurde ebenfalls schon ab Werk für das graue Laufwerk angeboten

Mit seinem Preis von 365 DM – ohne Anschlusskabel – war der Ortofon RS 212 mit magnetischem Antiskating damals teurer als der SME 3009/II. Leider rumpelt der sonst so perfekte TD 124/II aus Großbritannien in Verbindung mit meinem RS 212 und Ortofon 2M red, ebenso mit dem elektrodynamischen Ortofon SL-15.

Alternativ habe ich den TD 124/II mit dem langen Ortofon RMG 309 und dem elektrodynamischen Tonabnehmer Ortofon SPU bestückt – mit dem Ergebnis völliger Rumpelfreiheit. Was wieder einmal beweist, dass es bei dem Schweizer für störungsfreien Musikgenuss auf die Wahl eines mit dem Laufwerk harmonierenden Tonarms und Tonabnehmers ankommt. Es gibt da absolut unverträgliche Kombinationen – Stichwort Resonanzverhalten – und solche, die überhaupt keinen Ärger machen. Eine Frage des Ausprobierens.

Die Kombination mit dem 16-Zoll-Tonarm Ortofon RMG 309 samt Ortofon SPU ist die „Vollfettstufe“ jedes Thorens TD 124. Zeitlich passt der seit 1959 erhältliche Arm auch zum grauen Laufwerk der Serie II. Solvente Liebhaber in Fernost reißen sich um den RMG 309 – und zahlen dafür astronomische Preise

Selbst für den Thorens TD 125 LB – wobei das Kürzel LB für „Long Base“ steht – war der Studiotonarm Ortofon RMG 309 bis etwa 1970 noch ab Werk lieferbar. Bestellt wurde er allerdings kaum- Tonarme ohne Lift und Antiskating waren damals nicht mehr gefragt – Star auf dem Thorens war der lange SME

Das Riesen-Monster von Fairchild

Auch über diesen 16-Zoll US-Tonarm gibt es demnächst eine interessante Story im Blog. Mehr verrate ich noch nicht – nur so viel: Das gute Stück war zu Fotozwecken eine kurze Leihgabe des glücklichen Besitzers

Die Tonarm-Portraits, die Artikelserie über den Thorens TD 124/II mit Miniconic-Abtastkombination und weiter Beiträge können Sie verfolgen, wenn Sie in der Vintage-Rubrik der Webseite Hören & Fühlen weiter nach unten scrollen und ganz am Ende auf den kleinen Hinweis „ältere Einträge“ klicken.

Budget-Laufwerke TDK 101, TD 111 und TD 121 auch in der Schweiz

Vor einiger Zeit konnte ich ein 1962 von Thorens in Sainte-Croix herausgegebenes äußerst interessantes Prospektblatt erwerben. Es belegt, dass der Thorens TDK 101 und das weitere eintourige Modell Thorens TD 111 – entgegen dem Informationsstand in Band 1 meines Werkes – auch in der Schweiz erhältlich waren.

Der Absatz dieser für den US-Markt konzipierten Budget-Spieler dürfte allerdings nur minimal bis kaum gegeben gewesen sein. Wohl kaum ein Eidgenosse wird sich der Mühe unterzogen haben, das Bausatzlaufwerk selbst zusammenzusetzen. Doch immerhin ist ein in der Schweiz gekaufter Thorens TDK 101 mit Betriebsspannung 220 Volt/50 Hz belegt.

Auch der gegenüber dem TD 124 abgespeckte Thorens TD 121 wurde in der Schweiz, nun ja: zumindest angeboten. Heute ist das eintourige Laufwerk eine ernst zu nehmende Alternative zum großen Bruder. Aber nicht nur das: Da von dem Spieler kaum 2000 Exemplare gebaut wurden, ist der TD 121 ein hochwertiges, interessantes Sammelobjekt – mit dem man natürlich auch prima Schallplatten hören kann.

Zeitgenössische Abbildung aus dem Prospekt des US-Importeurs Elpa Marketing Industries. Der beim TD 121 funktionslose Stroboskopschacht wurde in dieser Darstellung einfach wegretouchiert

Der Zinkteller des Thorens TD 121 ist antimagnetisch und erlaubt dadurch den problemlosen Betrieb von Decca ffss und allen elektrodynamischen Tonabnehmern wie Ortofon SPU. Außerdem neigt der massive Teller nicht zum Klingeln.

Das Schaltfeld des Thorens TD 121 kennt nur die Stellungen „On“ und „Off“. Drehzahlwechsel ist theoretisch möglich, wenn man den Teller abnimmt und das Reibrad von Hand in die Höhe der gewünschten Stufenscheibe bringt. Aber: Wer macht das schon?

Klarstellung zum CB 788

Zum Klingeln neigt dagegen das antimagnetische Schwungrad CB 788 des Thorens TD 124 aus Zinkguss, das ab Anfang der 1960er Jahre, also bereits für die mittleren bis späten Laufwerke der ersten Serie, lieferbar war. Um den Glockenklang zu vernehmen, braucht man nur an dessen Rand zu klopfen. Das lediglich 3 Kilogramm wiegende CB 788 ist daher dem 4,5 Kilogramm schweren Schwungteller aus Gusseisen klanglich unterlegen. Auch nicht schön: Stroboskopische Drehzahlkontrolle ist hier nur bei 33 ⅓ U/min gegeben.

Das antimagnetische Schwungrad des TD 124 kostete beim deutschen Importeur Paillard Bolex in München zirka 85 DM. Thorens hat das CB 788 nur auf Druck des Marktes als Sonderzubehör angeboten

Gern wird das CB 788 als „Upgrade“ bezeichnet – um es an Ahnungslose teuer zu verkaufen. Wer auf die antimagnetische Eigenschaft des Tellers zum Betrieb seines MC-Tonabnehmers oder des Decca ffss Wert legt, ist mit dem massiven, fünf Kilogramm schweren Schwungrad von SWISSONOR besser bedient – das obendrein stroboskopische Drehzahlkontrolle bei allen vier Geschwindigkeiten erlaubt.

Häufig fehlt bei Angeboten des CB 788 der Adapter, ohne den man den Zinkteller nicht mit der Hauptachse des TD 124 verbinden kann. Eine Reproduktion ist lieferbar, aber Hanze HiFi im niederländischen Zwolle berechnet dafür zusätzlich knapp 60 Euro plus Versand:

https://shop.hanzehifi.nl/product/thorens-adapterplate-for-non-magnetic-aluminium-platter/

Kürzlich fand ein CB 788 aus Frankreich im Online-Auktionshaus für 300 Euro einen neuen Besitzer. Auch hier war das unverzichtbare Zwischenstück nicht mit dabei …

Öfter wird behauptet, der graue Thorens TD 124/II sei serienmäßig mit dem antimagnetischen Schwungrad ausgerüstet worden. Vor allem aus angelsächischen Ländern hört man diese These. Aber auch das stimmt so generell nicht. Lediglich der englische Importeur Metro Sound hatte mit Rücksicht auf das auf der Insel weit verbreitete Decca ffss die für Großbritannien bestimmten Laufwerke grundsätzlich ab Werk mit dem CB 788 bestellt – was zu der verallgemeinernden, jedoch irrigen Annahme führt. Wegen seines starken Magneten ist das Decca- System auf dem originalen Eisengussteller nicht einsetzbar.

Neuauflage des Thorens TD 124

Die Hype um den Thorens TD 124 und das auch von offizieller – sprich: Herstellerseite – wieder erwachte Interesse an der Historie der weltberühmten Firma führte in Bergisch Gladbach, dem Sitz der Thorens GmbH, zur Entscheidung, eine schon lang geforderte Neuauflage des Klassikers in die Wege zu leiten. Gunter Kürten, jetziger Inhaber des Unternehmens, fühlt sich wieder der Traditionspflege verpflichtet und hat auf der High End 2019 in München vor Pressevertretern den Prototyp des Thorens TD 124 DD vorgestellt – der sich äußerlich den TD 124/II zum Vorbild nimmt:

https://www.likehifi.de/news/high-end-2019-thorens-stellt-neuauflage-des-legendaeren-plattenspielers-td124-vor/

Thorens setzt bei der Wiederbelebung auf die komplette Neuproduktion aller Teile und neuzeitlichen Direktantrieb. Optisch am BTD-12 S orientiert, aber technisch verbessert ist der Tonarm TP 124 der Neuauflage. Wobei ein in gleicher Weise weiterentwickelter TP 14 für eine Reproduktion des Serie-II-Laufwerks meiner strengen Meinung nach das zeitlich passendere Vorbild gewesen wäre. Möglicherweise hat das Design des silbernen TP 14 für die Entscheidung zugunsten des Vorgängers BTD-12 S den Ausschlag gegeben – von dem Stefano Pasini in seinem EMT-Buch schreibt, dass es „nicht gerade Begeisterungsstürme“ auslöst.

Wie das historische Vorbild wartet der TD 124 DD mit dem eingebauten Leuchtstroboskop zur bequemen Drehzahlkontrolle während des Plattenspiels auf. Komfort, der in den 1960er Jahren nur wenigen Laufwerken der Spitzenklasse – Garrard, Connoisseur, Jobo/Acoustical, Braun und Perpetuum-Ebner – vorbehalten und quasi ihr Erkennungsmerkmal war.

Bequeme permanente Drehzahlkontrolle per Leuchtstroboskop – hier am Acoustical 2800, gebaut von 1965 bis 1968. Viele Hersteller beließen es da bei einer primitiven Pappscheibe – oder druckten Markierungen billig auf den Teller, die dann unter einer LP verschwanden

Natürlich scheidet das Konzept des TD 124 DD – ohne die typischen Merkmale des klassischen TD 124 wie vier Drehzahlen, zweistufiger Antrieb mit Riemen und Reibrad sowie zweiteiliger Plattenteller mit Kupplung – die Geister, was auch Kürten einräumt: „Ein Hardcore-Fan des TD 124 wird sich davon nicht überzeugen lassen.“ Der Firmeninhaber zielt mit der Neuauflage des Thorens TD 124 auf ein anderes Segment – den trendigen Retro-Markt.

Zielgruppe der Neuauflage sind Audiophile, denen die Formensprache des historischen Originals ungemein gefällt, die aber auf die klanglichen Meriten eines modernen Antriebskonzepts und Tonarms dabei nicht verzichten wollen

Inzwischen ist der in Taiwan gebaute Thorens 124 DD mit Tonarm TP 124 für 7990 Euro erhältlich. Möglich wurde die Reduktion des Verkaufspreises gegenüber der ursprünglich kalkulierten Summe durch Verzicht auf ein teures, aus einem Aluminiumblock CNC-gefrästes Chassis zugunsten einer Lösung aus Aluminiumguss.

Übrigens – Sie haben richtig gesehen – der dunkelgraue Farbton entspricht nicht dem des TD 124/II. Das Grau des Originals ist deutlich heller. „Ich wollte dem TD 124 DD einen moderneren Look verpassen“, so Gunter Kürten. „Mir gefällt der verwendete Grauton einfach besser.“

Zum Lieferumfang zählt eine optisch der ST 104-Konsole nachempfundene hochwertige Zarge. Als Tonabnehmer empfiehlt der Hersteller sein SPU TD 124 – eine speziell auf den „DD“ abgestimmte Version des legendären Ortofon SPU, die Thorens gemeinsam mit den Dänen für Fans des Besonderen entwickelt hat.

Ausführliche Informationen zum Thorens TD 124 DD auf der Webseite des Herstellers:

https://www.thorens.com/de/thorens%C2%AE-td-124-dd.html

„Drehmaschine“ – ein Kurzportrait

Wenn Sie auf vier liebevoll illustrierten Seiten die Quintessenz des originalen Thorens TD 124 erfahren wollen, sollten Sie das Kurzportrait des Reibrad-Renners im Dezember-Heft 2019 der Zeitschrift STEREO lesen. Was Michael Lang hier an geballten, trotz aller Kompaktheit korrekten Informationen zusammengetragen hat, ist bisher ohne Beispiel.

Ganz offensichtlich hat dem Redakteur mein Werk SCHWEIZER PRÄZISION beim Abfassen seiner komprimierten Darstellung als Informationsquelle gedient. Keine der sonst üblichen Nachlässigkeiten und saloppen Eigeninterpretationen – zu denen sich der Chefredakteur des Konkurrenzmagazins Stereoplay verstieg, als er den Thorens TD 124 hochnotpeinlich als „Volksplattenspieler“ bezeichnete, der „insgesamt 250.000mal vom Schweizer, später vom deutschen Band lief“.

Hier können Sie den lohnenswerten Artikel gegen Bezahlung von 0,99 € (PayPal) herunterladen:

https://www.stereo.de/archiv/2019/12/drehmaschine-71549

In englischer Sprache ist das tolle Portrait sogar frei zugänglich:

https://stereo-magazine.com/review/thorens-td-124-review

Mein Tipp: Klicken Sie der rechten Leiste „Content“ den Menüpunkt „STEREO visits Jaap Pees“ an und werfen Sie einen Blick auf die 26 eindrucksvollen Fotos. Sie machen klar, warum man die notwendige Überarbeitung eines historischen Thorens TD 124 am besten einem ausgewiesenen Spezialisten, in dem Fall dem Techniker Jaap Pees der Firma Hanze HiFi im niederländischen Zwolle, anvertraut.

Beispiel einer professionellen Revision des E-50-Motors durch Riverside Audio in Esslingen/Schweiz

Und warum man mit eigenmächtigem, von kleinlicher Sparsamkeit getriebenem und keinem Fachwissen begleiteten Do-it-yourself hier nicht weiterkommt, ja gar Pfusch riskiert. Ein paar Tropfen Öl hier, etwas Fett da, ein neuer Riemen und sich eine allumfassende professionelle Revision sparen – diese Rechnung geht beim TD 124 nicht auf. Auch wenn selbst ernannte Fachleute sich ereifern, dass die Überholung des hochpräzisen Laufwerks „nun wirklich kein Hexenwerk“ sei.

Wiedergeburt des Garrard 301

Dass Thorens mit dem TD 124 DD voll im Retro-Trend liegt, zeigt der Relaunch des Garrard 301. Wobei dieser Neo-Klassiker unter Verwendung alter Originalteile aus Lagerbeständen der von SME übernommenen Firma Loricraft entsteht und mit wirklich sämtlichen optischen und technischen Details des Vorbilds aufwartet – praktisch ein neuer alter 301. Wermutstropfen: Der auf einer eleganten Garrard-Zarge dazu verbaute Zwölfzoll-Tonarm stammt nicht aus der Zeit – ein moderner SME M2-12R. Hier wäre eine Neuauflage des schweren SME 3012 Serie I (1959 – 1962) für das Gesamtkonzept überzeugender gewesen – vor allem bei dem erschreckenden Preis von 28000 Euro, den SME für den neuen Garrard 301 verlangt.

Neuauflage des berühmten britischen Laufwerks Garrard 301 mit modernem SME-Tonarm M2-12R

Allerdings mehr eine theoretische Geldausgabe – beworben wird der Revival-301 vom Hersteller nämlich nicht und Prospektunterlagen gibt es auch keine. Bei einer Produktion von lediglich einem Exemplar pro Monat – also 12 pro Jahr – werden nur ganz wenige Liebhaber Gelegenheit zum Plündern ihres Bankkontos für den spielfertigen Imageträger bekommen. Und die Anschaffung inzwischen vielleicht doch noch einmal überdenken: Ein von Audio Grail in jeder Hinsicht vorbildlich restaurierter alter 301 mit einem historischen Tonarm von Ortofon in ebenso perfektem Zustand ist samt neuem SPU Stereo-Pickup und entsprechender Zarge für ein Viertel dieser Summe zu haben.

HiFi von gestern wieder aktuell!

Viele Enthusiasten können sich ihre Jugendträume erst erfüllen, wenn sie längst erwachsen sind, gut verdienen oder erben und dann das für die Realisation nötige Kleingeld haben. Darauf haben Thorens und Garrard/SME mit der Neuauflage ihres Spitzenlaufwerks reagiert. Aber auch andere Hersteller mit langer Tradition haben HiFi-Komponenten auf den Markt gebracht, die zwar nagelneu sind, aber aussehen, als ob sie eine Zeitmaschine aus den 1960er Jahren in die Gegenwart befördert hätte. So können Wünsche nach Jahrzehnten doch noch in Erfüllung gehen

Begonnen hatte der Retro-Trend schon gegen Ende der 1980er Jahre mit der Wiederaufnahme der Produktion des elektrodynamischen Tonabnehmers Ortofon SPU in seinem zeitlos eleganten Kopf.

Geschlossene Tonköpfe waren viele Jahre als Neuware nicht für Geld und gute Worte zu haben. Für Vintage-Liebhaber bedeutete die unverhoffte Wiederauflage des Ortofon SPU eine kleine Sensation

1993 folgte die nicht für möglich gehaltene Neuauflage der Verstärkerkombination C 22/MC 275 von McIntosh. Die Rückbesinnung auf Glühkolben in der HiFi-Technik dauerte damals schon über zehn Jahre an. Doch der amerikanische Hersteller war von den Vorzügen seiner Transistorverstärker mit den markentypischen Autoformern felsenfest überzeugt. Lange hatte man sich in Binghampton gegen die Rückkehr zur Röhrentechnik gesträubt. Doch dann die Commemorative Edition. Eine Entscheidung pro Röhre, die McIntosh bis heute nicht bereut hat. Aktuell sind gleich mehrere Modelle dieser Technik im Programm.

Röhrenendstufe McIntosh MC 275, ursprüngliches Baujahr 1963 bis 1973, in der neuen Ausgabe. Hier die schönste Version Mark II ohne Plakette. Vier unglaublich große Beam Power-Pentoden Tung-Sol 6550 spiegeln sich einem Meer glänzenden Chroms

Liebhaber klassischer Designs lassen sich den Namen McIntosh wie das gleichnamige Sahnebonbon auf der Zunge zergehen. So war ich denn auch von der limitierten Erstversion der neuen MC 275, die der Hersteller zum Gedenken an den Konstrukteur des Originals Gordon J. Gow mit einer Plakette an der Front versah, total begeistert. Entdeckt hatte ich die Neuauflage im Schaufenster des Frankfurter HiFi-Studios Raum Ton Kunst, das damals noch in der Sandhofpassage residierte. Zehn Minuten Bedenkzeit bei einem Espresso und ein kurzer Check meiner Finanzen reichten, um mich zum sofortigen Kauf der MC 275 CE samt Vorstufe C 22 CE zu entscheiden.

Die Mark II mit Endpentoden 6550 präsentierte sich ohne die entbehrliche Plakette und lag damit näher am Vorbild. Beide Neuversionen haben wie die ursprüngliche Ausgabe noch die schwarzglänzenden Trafos samt metallischem Aufkleber mit der Typbezeichnung.

Inzwischen ist die ursprünglich auf 2500 Exemplare limitierte Neuauflage aufgrund des Verkaufserfolgs schon in der sechsten Generation erhältlich. Leider hat sie sich im Lauf der Ausführungen von der historischen Vorlage immer weiter entfernt. Die drei monströsen Trafos sind heute matttschwarz, und die in den USA „Decals“ genannten Aufkleber gibt es nicht mehr. Stattdessen sind Typbezeichnungen der Trafos jetzt auf eine billige Folie aufgedruckt. Stilbruch die inzwischen martialisch anmutenden Lautsprecherterminals auf dem abgeschrägten Bedienungsfeld – der High-End-Gemeinde geschuldet.

Das Wichtigste aber: Wie das Original tragen auch sämtliche Neuversionen den altmodischen McIntosh-Schriftzug in riesigen Lettern aus schwerem Metallguss an der Front – ein Hingucker!

Falls Ihnen in Sachen Endstufe eher nach einem restaurierten Original ist: Bevorzugen Sie in dem Fall das nicht wieder aufgelegte mittlere Modell McIntosh MC 240 mit den Leistungsröhren 6L6GC von General Electric. Leichter zu finden, noch besser klingend und auf dem Bedienungsfeld mit all den tollen „Features“ der größeren Schwester ausgestattet. Außerdem: Mit ihrem Gewicht von 25,5 Kilogramm ist diese Endstufe noch einigermaßen handhabbar. Die mächtige MC 275 mit KT-88 für den eher professionellen Einsatz bringt netto satte 30,5 Kilogramm auf die Waage – ein Fall für die Bandscheibenklinik.

Die McIntosh MC 240 hat mit ihren vier unverspiegelten Pentoden 6L6GC einen ganz eigenen optischen Reiz. Hier die frühe Version – zu erkennen an den beiden Oktalfassungen zwischen den Pegelreglern und dem Anschlussfeld für die Lautsprecher

Das kleinste Modell McIntosh MC 225 arbeitet mit den bewährten Endpentoden 7591, mit denen in den 1960er Jahren viele der größeren amerikanischen Vollverstärker, zum Beispiel Fisher X-101-B, X-101-C, X-101-D sowie X-202-B, X-202-C und die beliebten Scott-Modelle 299-C sowie 299-D, ausgerüstet wurden. Aber auch der erste Vollverstärker aus Binghampton, das Hybridmodell McIntosh MA 230, bediente sich in der Endstufe dieses modernen, von RCA erst 1961 entwickelten Röhrentyps.

Selten ist heute die vergleichsweise zierliche MC 225 mit kantigen Trafos – einst Spielpartner des Tuner-Vorverstärkers McIntosh MX 110. Auch diese Endstufe kostete 1965 in Deutschland ein kleines Vermögen

Lange Zeit war die Leistungsröhre 7591 allenfalls noch aus teurem NOS-Lagerbestand verfügbar. Doch seit einigen Jahren stellen Sovtek (Electro Harmonix) und Tung-Sol In Russland sowie die Firma JJ Electronic in der Slowakei den Typ in guter Qualität wieder her.

Mit der Strahlpentode 7591 lassen sich manche Verstärkerschätze aus den 1960er Jahren heben

Kenner schätzen die kleine McIntosh MC 225 als besonders audiophil. Ihre Ausgangsleistung – konservative 2 x 25 Watt – reicht für den Betrieb von Lautsprechern guten Wirkungsgrades in nicht allzu großen Wohnräumen völlig aus.

Die Röhrenstars im Bolex-Prospekt

Schon als junger Mensch hegte ich eine unterschwellige Leidenschaft für HiFi-Oldtimer. Kein Wunder, dass ich vom Gesamtprospekt von Paillard-Bolex, den ich 1969 während meiner Lehrzeit anforderte, geradezu fasziniert war.

Paillard-Bolex in München-Schwabing übernahm 1963 den Vertrieb der Thorens-Plattenspieler aus der Schweiz. Parallel dazu baute die neue „Abteilung Thorens“ ein hochkarätiges Vertriebsprogramm ausländischer Geräte auf. In Großbritannien und in den USA – den damals klassischen Ländern der High Fidelity – zählten diese Marken zur Spitze dessen, was auf dem Gebiet möglich ist

Vom dem nostalgischen Aussehen der Thorens-Plattenspieler in der Produktübersicht – bauchiges Chassis, nierenförmiges Bedienungsfeld und „industriegraue“ Farbe – war ich begeistert. Noch mehr faszinierten mich aber die altmodischen Endstufen von McIntosh im Bolex-Prospekt. Verstärker noch mit Glühkolben – und was für Exemplare! Das war unglaublich …

Die drei Stereo-Endstufen von McIntosh im Paillard-Bolex-Gesamtprospekt. Ältestes Modell die mittlere MC 240, gebaut von 1960 bis 1969

Blick auf die aberwitzig dicken Endpentoden KT-88 der MC 275, deren Glaskolben sich in der Mitte nochmals verbreitern. Zu einer Zeit, als in Radios mit Rückwänden aus brauner Pappe vergleichsweise schlanke Röhren arbeiteten, glich das veritable Kraftwerk einer Sensation

Mein Lehrlingslohn beim Zeitungsverlag betrug monatlich 185 DM. Kaum eine Mark in der Tasche kam ich auf die kuriose Idee, mich bei Paillard-Bolex nach der Verfügbarkeit der MC 275 zu erkundigen. Postwendend kam aus München freundliche Antwort, dass die Endstufe für 3480 DM – das war der letzte gebundene Verkaufspreis der alten Dame in Deutschland – jederzeit ab Lager lieferbar wäre. Etwas geschämt habe ich mich wegen der unsinnigen Anfrage. Doch das aus dem Prospekt sorgfältig ausgeschnittene Bild der MC 275 verwahrte ich noch einige Jahre in meinem Geldbeutel. Bis ich die Hoffnung aufgab, jemals ein solches Teil zu besitzen.

Die Röhrentechnik war damals ja eigentlich schon mehrere Jahre tot, ihre Renaissance begann erst ein Jahrzehnt später. Doch McIntosh hielt bei seinen drei Endstufen bewusst an Elektronenröhren fest, da sich die Transistortechnik bei Großraumbeschallungen zu dieser Zeit noch nicht als zuverlässig genug erwies. Und Zuverlässigkeit ihrer Verstärker war für die Strategen in Binghampton immer oberstes Gebot. „Einen McIntosh kann man einbauen und vergessen“, so die Devise. Zumal das größte Modell MC 275 auch in anspruchsvollen Diskotheken Verwendung fand.

Discjockey im Münchener Tanzpalast Studio 15 an zwei Thorens TD 124/II mit SME-Tonarm 3009. In Nachtbars und Diskotheken mit Dauerbetrieb war der Name McIntosh zu finden

Junges Diskothekenpublikum – damals noch mit der obligatorischen Zigarette – das es sich auf dem Foto in einer Tanzbar gemütlich macht

Nachtclub Pique Dame in Deutschlands heimlicher Hauptstadt. Beim Rendezvous mit der Herzensdame sorgte auch hier McIntosh für high-fidele (Hintergrund)musik …

Fragwürdig: C 22 CE mit CD-Eingang

Röhrenvorverstärker McIntosh C 22 CE – Spielparter des Endverstärkers McIntosh MC 275 CE

Die zur Endstufe MC 275 passende Vorstufe McIntosh C 22 wurde erstmals 1963 vorgestellt. Eine Legende mit technischen Eigenschaften, die für die HiFi-Industrie wegweisend waren – eine superbe Phonoentzerrung, ein aufwendiges Klangregelnetzwerk sowie vielseitige Einstellungsmöglichkeiten.

Weniger gefiel mir das Modell als Neuauflage McIntosh C 22 CE. Die Vorstufe besitzt zwar wie das Original die wunderschöne Hintergrundbeleuchtung der gläsernen Frontplatte, den legendären siebenstufigen „Mode Selector“ – hervorragend zur Fehlersuche in der HiFi-Anlage geeignet – nicht weniger als acht Eingänge, für Höhen und Tiefen kanalweise getrennte Stufenschalter und natürlich Rausch- sowie Rumpelfilter. Aber auch hier konnte sich der Hersteller eine Widmung auf der Front nicht verkneifen – die dem Gründer und früheren Inhaber der Firma Frank H. McIntosh gilt.

Geradezu fatal war aber die Entscheidung, dem originalen Hochpegel-Eingang „Tuner 2“ auf der Frontplatte bei der Neuauflage die Bezeichnung „CD“ zuzuweisen. Zwar nachvollziehbar in der allgemeinen Hype um die Compact Disc in den 1990er Jahren. Heute aber im Hinblick auf den fortschreitenden Bedeutungsverlust der einst so gefeierten Silberlinge einfach nur ärgerlich. Vielleicht hat McIntosh auch deshalb auf die Weiterproduktion der C 22 CE verzichtet.

Wegen der Einschränkungen habe ich meine C 22 CE wieder verkauft – eine SCR-Buchse auf der Rückseite brauche ich auch nicht. Heute betreibe ich die MC 275 CE mit einer von Audioclassica revidierten und auf 230 Volt umgestellten „echten“ McIntosh C 22. Gleich zwei Tuner-Eingänge – das gibt es sonst nirgends!

Immer noch bildschön: Röhrenvorverstärker McIntosh C 22 AC

Als Spielpartner der aktuellen MC 275 Mk. VI ist die moderne Röhrenvorstufe C 22 AC im McIntosh-Programm – die sich nicht nur technisch, sondern auch optisch vom Original unterscheidet. Aber auch sie bietet eine Vollausstattung, die man woanders lange suchen muss. Den Phonotrakt gibt es gleich doppelt – mit getrennten MM- und MC- Phonobuchsen sowie zwei Erdungsanschlüssen. Und was wäre ein amerikanischer Retro-Amp ohne Klangregelung und Loudness-Taste? Genau: Das hätte die Kundschaft früher nicht akzeptiert.

Transistor-Nachfolgerin C 24

Die Kombination aus C 24 und MC 275 war die Verstärker-Referenz im Vorführraum der HiFi-Stereophonie in Karlsruhe

Der ehemalige Vertrieb Paillard-Bolex kombinierte die röhrenbestückte MC 275 mit der Nachfolgerin der C 22, der transistorisierten Vorstufe C 24. Sie war der erste Halbleiter-Vorverstärker des Premiumherstellers mit gegenüber der Vorgängerin etwas geringerem Bedienungskomfort und leider auch keiner Hintergrundbeleuchtung der Glasfront mehr.

Offenbar wollte man 1964 in der beginnenden Halbleiter-Euphorie den deutschen Kunden in Sachen Vorstufe kein Röhrengerät mehr anbieten. Obwohl McIntosh in den USA die letzte Röhrenausführung bis 1967 im Programm hielt und die C 22 gegenüber der von Paillard-Bolex favorisierten C 24 klanglich überlegen ist – was heute den enormen Preisunterschied beider Modelle auf dem Gebrauchtgerätemarkt erklärt.

Marantz-Nachbauten von VAC

Neuauflage der Marantz-Vorstufe Model 7 – die äußerlich völlig dem Original von 1959 entspricht

Die Einschränkungen bezüglich der Commemorative Edition von McIntosh gelten nicht für die 1996 erschienene Verstärkerreihe von Marantz – die Vorstufe Model 7, die Stereo-Endstufe Model 8 b und der Monoblock Model 9. Der kalifornische Röhrenspezialist VAC hat die Nachbauten für Marantz als Auftragsfertigung produziert. Alle drei Modelle verzichten auf jedweden Replika-Hinweis und entsprechen in fast allen Belangen den Originalen – auch dort, wo man auf den ersten Blick nicht hinschaut. So soll es sein!

Im Inneren der Vorstufe sind die Kabelbäume nicht mit den heute üblichen Kunststoffclips befestigt. Sondern wie beim Original noch mit Bindfaden – eine Technik, die 1959 Standard war. Toll die Übernahme der damals üblichen Wahlmöglichkeiten unter verschiedenen Phono-Entzerrungen auf der Frontplatte – beim Model 7 die Stellungen „Old 78“, „RIAA“ und „Old Columbia LP“.

Obwohl diese Repliken nur in überschaubaren Mengen produziert wurden – man spricht von 300 Kombinationen Model 7/8 b und nur 100 Exemplaren des Monoblocks Model 9 für den europäischen Markt – gab es dazu von Marantz einen attraktiven Prospekt, sogar in deutscher Sprache. McIntosh sparte sich für die Commemorative Edition eine eigene Verkaufsbroschüre.

Die Front der Vorstufe Model 7 begeistert immer noch durch ihre schlichte, zeitlose schöne Gestaltung. Kaum zu glauben, dass dieser Entwurf schon vor mehr als 60 Jahren – in der Hochphase schwülstiger Heckflossen-Straßenkreuzer – entstanden ist. Hier zeigt sich, dass ihr Schöpfer Saul Marantz ursprünglich Fotograf und Designer war.

Bekanntestes Produkt von Dynaco war die seit 1959 erhältliche, mehr als 350000mal gebaute Endstufe Stereo 70 mit Leistungsröhren EL-34, angesteuert von der Röhrenvorstufe PAS-3

Meist als Bausatzgerät wurden die Tuner und Verstärker der 1955 von David Hafler und Ed Laurent gegründeten Firma Dynaco in Philadelphia gekauft. Millionen von Amerikanern mit schmalem Geldbeutel verhalfen „Dynakits“ zu high-fidelem Klanggenuss. Erfolgsgeheimnis von Dynaco waren die vorgefertigten, einfach zu montierenden Leiterplatten. Bei den Bausätzen der Konkurrenz musste der Käufer die Teile selbst zusammensetzen und testen.

Auch die Stereo-Endstufe Dynaco ST-70 wurde wieder aufgelegt – als „klassisch-moderner“ Endverstärker mit verfeinerter Class-AB-Ultralinear-Pentodenschaltung. Technisch und auch optisch vom Original ein Stück weit entfernt – allein schon durch die Farbgebung im unvermeidlichen Schwarz der heutigen High-End-Komponenten.

Sorgfältig restauriertes Pärchen Monoblöcke Quad II der Firma Quad Musikwiedergabe mit den klassischen Endstufenröhren KT-66 – hier in der slowakischen Neuauflage von JJ Electronics

Seit den 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts gelten QUAD II Röhrenverstärker immer dann als Referenz, wenn es um naturgetreue Musikwiedergabe geht. Noch aus der Monozeit stammend, verwendet man für Wiedergabe von Stereo zwei dieser Monoverstärker. Die zugrundeliegende Ultralinearschaltung verbindet natürlichen Klang mit zuverlässigem Betrieb über Jahrzehnte. Heute bietet die Firma QUAD Musikwiedergabe in Gering westlich von Koblenz restaurierte oder vollkommen neu aufgebaute QUAD II Verstärker an:

https://www.quad-musik.de/index.php/de/produkte/elektronik/quad-ii

Neuauflage der britischen Endstufe Radford STA 25 mit Trafokäfig in lichtem Grau. Unverwechselbar die seitlichen „Geländergriffe“ zum leichteren Transport und zum Röhrenschutz bei diesem Stereomodell

Eine wunderbare Neuauflage der Endstufe Radford STA 25 mit Leistungsröhren EL-34 ist für relativ günstige 2850 Pfund von Radford Revival erhältlich. Firmenchef Steve Moores, der schon 1974 erste Kontakte zu Radford nach Bristol knüpfte, und sein Sohn William bauen auf Bestellung perfekte Repliken der Kraftverstärker STA 15 und STA 25 – nach Originalplänen unter Verwendung moderner Bauteile. Leider nur die beiden Kraftverstärker – die Vorstufe SC 22 wurde nicht neu aufgelegt. Meine STA 25 steuere ich mit dem Marantz-Vorverstärker Model 7 an. Klanglich passen beide Komponenten perfekt zusammen.

„Unser Bestreben ist es, mit diesen komplett in Großbritannien handgefertigten Verstärkern Radford von seiner besten Seite zu erleben und ein Produkt zu besitzen, auf das man viele Jahre stolz ist“, so William Moore. Nähere Informationen zur neuen STA 25 auf der Webseite von Radford Revival:

https://www.radfordrevival.co.uk/sta-reissue/

Typische Leak-Front mit schwarzem Band aus genarbtem Kunstleder. Wegen der Ähnlichkeit mit der Kamera aus Wetzlar spricht man von Leica-Design

Neuestes Beispiel für Retro ist der Relaunch der englischen Traditionsmarke Leak. Die silberne Frontplatte des Vollverstärkers Stereo 130 soll an diejenige der berühmten Leak-Verstärkerreihe aus den 1960er Jahren erinnern – siehe oben. Damit enden allerdings schon die Gemeinsamkeiten. Im Inneren des Leak Stereo 130 arbeitet ein „starker ESS Sabre-Chip für die Digital-Wandlung“, so eine Beschreibung. Da ist die historisierende Front doch eher Tünche …

Als „Verstärker für den modernen Audio-Enthusiasten“ beschreibt Leak Deutschland sein Verstärkermodell 130

Klassische Proportionen

Retro-HiFi, neue Auflagen alter Designs und Techniken gibt es auch bei Lautsprechern – und dies nicht nur aus optischen Gründen. Denn klassische Proportionen mit breiter Schallwand und reichlich Volumen bieten akustische Vorteile. Einen angenehmen und doch verbindlich-kraftvollen Ton bekommt man hier viel leichter hin als über die üblichen blutarmen Sound-Spargel mit 13 cm-Tieftönern. Das liegt an den größeren Basstreibern, denen es mit ihrer üppigen Membranfläche einfach leichter fällt, größere Luftmengen zu bewegen. Außerdem: Großvolumige Boxen haben einen hevorragenden Wirkungsgrad – was für den Betreiber historischer Röhrenverstärker wichtig ist. Hersteller, die diese Tradition hochhalten, sind Klipsch, JBL, Wharfedale mit seiner erschwinglichen Linton und – weniger erschwinglich: Tannoy!

Tannoy Canterbury – ein gewaltiger Lautsprecher mit 38er Dual Concentric-Bass, der aussieht wie die Kommode der Großtante – 63 Kilogramm schwer. Auch die kleineren Modelle der Prestige Serie im viktorianischen Stil haben Bespannungen Marke „Omas Gardinenstoff“

Wer in einem Schloss mit entsprechend weitläufigen Sälen wohnt, wird weder akustisch noch stilistisch um ein Paar Tannoy Canterbury herumkommen, deren Hochtöner als Druckkammer-Horn aus Messing im Zentrum eines riesigen 15-Zoll-Tieftöners sitzt und die dem Ideal einer punktförmigen Schallquelle huldigt. „Eine grandiose Lautsprecher-Persönlichkeit, deren barockes Äußeres nur so lange befremdlich wirkt, bis man sie mit eigenen Ohren gehört hat“ – so Berhard Rietschel, ehemaliger Chefredakteur der HiFi-Zeitschrift AUDIO.