Neuauflage zweier Klassiker

Ein historischer Thorens TD 124 gilt heute, 65 Jahre nach Beginn der Produktion, für manchen vinylorientierten Audiophilen als Traum-Plattenspieler schlechthin – und das aus gutem Grund. „In Kombination mit einer intelligent konstruierten, auf das Laufwerk genau abgestimmten Massivholzzarge, wie sie etwa in Großbritannien Martin Bastin baut, sowie einem passenden Arm und Abtaster ist sein Klang einfach atemberaubend.“ Das konstatiert Stefano Pasini, der bekannte Experte für klassische HiFi-Geräte aus der „goldenen Ära“ der High Fidelity, in der amerikanischen Fachzeitschrift „Sound Practices“.

Thorens TD 124/II mit Tonarm Fidelity Research FR 66-S, Tonabnehmer Ortofon SPU Classic NE und Maxplank-Zarge von Dr. Martin Bastin aus meinem Bestand. Das mit Schwungteller und Hauptlager von SWISSONOR ausgestattete Laufwerk mit Seriennummer 92407 wurde 1967 in den letzten Produktionsmonaten gebaut

Angesichts der Lobeshymnen hatten Liebhaber schon lang eine Neuauflage des TD 124 bei Thorens angeregt. Immerhin waren von anderen HiFi-Klassikern bereits ambitionierte Nachbauten zu haben. Doch die Kaufleute in Lahr winkten ab: Zum einen existieren die Formen und Werkzeuge aus Sainte-Croix für den TD 124 nicht mehr. Zum anderen ist das Laufwerk in so großer Stückzahl gebaut worden, dass die Nachfrage im Prinzip aus dem Bestand an unverbastelten, professionell revidierten Gebrauchtgeräten gedeckt werden kann.

Dennoch: Die andauernde Hype um den Thorens TD 124 und das auch von offizieller – sprich: Herstellerseite – wieder erwachte Interesse an der Historie der weltberühmten Firma führte in Bergisch Gladbach, dem Sitz der Thorens GmbH, zur Entscheidung, die geforderte Neuauflage des Klassikers tatsächlich in die Wege zu leiten. Gunter Kürten, jetziger Inhaber des Unternehmens, fühlt sich wieder der Traditionspflege verpflichtet und hat auf der High End 2019 in München vor Pressevertretern den Prototyp des Thorens TD 124 DD vorgestellt – der sich äußerlich den TD 124/II zum Vorbild nimmt:

https://www.likehifi.de/news/high-end-2019-thorens-stellt-neuauflage-des-legendaeren-plattenspielers-td124-vor/

Thorens setzt bei der Wiederbelebung auf die komplette Neuproduktion aller Teile und neuzeitlichen Direktantrieb. Optisch am BTD-12 S orientiert, aber technisch verbessert ist der Tonarm TP 124 der Neuauflage. Wobei ein in gleicher Weise weiterentwickelter TP 14 für eine Reproduktion des Serie-II-Laufwerks meiner strengen Meinung nach das zeitlich passendere Vorbild gewesen wäre. Möglicherweise hat das Design des silbernen TP 14 für die Entscheidung zugunsten des Vorgängers BTD-12 S den Ausschlag gegeben – von dem Stefano Pasini in seinem EMT-Buch schreibt, dass es „nicht gerade Begeisterungsstürme“ auslöst.

Bequeme permanente Drehzahlkontrolle per Leuchtstroboskop – hier am Acoustical 2800. Viele Hersteller beließen es da bei einer primitiven Pappscheibe – oder druckten wie beim Dual 1219 Markierungen auf den Tellerring, die dann unter einer aufgelegten LP verschwanden

Wie das historische Vorbild wartet der TD 124 DD mit dem eingebauten Leuchtstroboskop zur bequemen Drehzahlkontrolle während des Plattenspiels auf. Komfort, der in den 1960er Jahren nur Laufwerken der Spitzenklasse – Connoisseur, Garrard, Goldring, Jobo/Acoustical, Braun, Perpetuum-Ebner – vorbehalten und quasi ihr Erkennungsmerkmal war.

Natürlich scheidet das Konzept des TD 124 DD – ohne die typischen Merkmale des klassischen TD 124 wie vier Drehzahlen, zweistufiger Antrieb mit Riemen und Reibrad sowie zweiteiliger Plattenteller mit Kupplung – die Geister, was auch Kürten einräumt: „Ein Hardcore-Fan des TD 124 wird sich davon nicht überzeugen lassen.“ Der Firmeninhaber zielt mit der Neuauflage des Thorens TD 124 auf ein anderes Segment – den trendigen Retro-Markt.

Zielgruppe der Neuauflage sind Audiophile, denen die Formensprache des historischen Originals ungemein gefällt, die aber auf die klanglichen Meriten eines modernen Antriebskonzepts und Tonarms dabei nicht verzichten wollen

Inzwischen ist der in Taiwan gebaute Thorens 124 DD mit Tonarm TP 124 für 7990 Euro erhältlich. Möglich wurde die Reduktion des Verkaufspreises gegenüber der ursprünglich kalkulierten Summe durch Verzicht auf ein teures, aus einem Aluminiumblock CNC-gefrästes Chassis zugunsten einer Lösung aus Aluminiumguss.

Gunter Kürten hat sich der Traditionspflege verpflichtet und eine oft verlangte, aber kaum für möglich gehaltene Neuauflage des Thorens TD 124 für den High-End-Markt herausgebracht

Übrigens – Sie haben richtig gesehen – der dunkelgraue Farbton entspricht nicht dem des TD 124/II. Das Grau des Originals ist deutlich heller. „Ich wollte dem TD 124 DD einen moderneren Look verpassen“, so Gunter Kürten. „Mir gefällt der verwendete Grauton einfach besser.“ Man kann allerdings auch gegenteiliger Meinung sein.

Zum Lieferumfang zählt eine optisch der ST 104-Konsole nachempfundene hochwertige Zarge. Als Tonabnehmer empfiehlt der Hersteller sein SPU TD 124 – eine speziell auf den „DD“ abgestimmte Version des legendären Ortofon SPU, die Thorens gemeinsam mit den Dänen für Fans des Besonderen entwickelt hat.

Ausführliche Informationen zum Thorens TD 124 DD auf der Webseite des Herstellers:

https://www.thorens.com/de/thorens%C2%AE-td-124-dd.html

Wie früher: der neue Garrard 301

Dass Thorens mit dem TD 124 DD voll im Retro-Trend liegt, zeigt der Relaunch des Garrard 301. Wobei dieser Neo-Klassiker unter Verwendung alter Originalteile aus Lagerbeständen der von SME übernommenen Firma Loricraft entsteht und mit wirklich sämtlichen optischen und technischen Details des Vorbilds aufwartet – praktisch ein neuer alter 301.

Wermutstropfen: Der auf einer eleganten Garrard-Zarge dazu verbaute Zwölfzoll-Tonarm stammt nicht aus der Zeit – ein moderner SME M2-12R. Hier wäre eine Neuauflage des schweren SME 3012 Serie I (1959 – 1962) für das Gesamtkonzept überzeugender gewesen – vor allem bei dem erschreckenden Preis von 28000 Euro, den SME für den neuen Garrard 301 verlangt.

Neuauflage des berühmten britischen Laufwerks Garrard 301 mit modernem SME-Tonarm M2-12R

Allerdings mehr eine theoretische Geldausgabe – beworben wird der Revival-301 vom Hersteller nämlich nicht und Prospektunterlagen gibt es auch keine. Bei einer Produktion von lediglich einem Exemplar pro Monat – also 12 pro Jahr – werden nur ganz wenige Liebhaber Gelegenheit zum Plündern ihres Bankkontos für den spielfertigen Imageträger bekommen.

Und die Anschaffung inzwischen vielleicht noch einmal überdenken: Ein von Audio Grail in jeder Hinsicht vorbildlich restaurierter alter 301 mit einem historischen Tonarm von Ortofon in ebenso perfektem Zustand ist samt neuem SPU Stereo-Pickup und entsprechender Zarge für ein Viertel dieser Summe zu haben.