SCHWEIZER PRÄZISION – das Konzept

Mit meiner Berufserfahrung aus der Mitarbeiterkommunikation ging es mir darum, in SCHWEIZER PRÄZISION nicht nur Plattenspieler mit ihren technischen Merkmalen chronologisch darzustellen. Genauso wichtig waren mir die handelnden Personen – es sollte auch „menscheln“ in meinem Werk!

Hier strahlt John Barnwell aus der Nähe von Seattle über den glücklichen Erwerb seines Thorens TD 224. Der einzigartige Plattenwechsler wurde speziell für den US-Markt entwickelt, erwies sich aber wirtschaftlich als Flop

Dr. Karl Gerhard Baur besaß schon 1963 den Thorens TD 124. Finanziert hat der Ludwigshafener den Luxus-Plattenspieler mit Geldgeschenken der Eltern und seiner Frau, dem eigenen Anteil sowie 15 Mark von „Tante Erna“

Landschaften, die mit den Themen verbunden sind, haben ebenfalls in SCHWEIZER PRÄZISION Eingang gefunden. Aufnahmen von Sainte-Croix zum Beispiel zeigen, in welch wunderschöner Umgebung die Thorens-Belegschaft dem Bau von Plattenspielern nachging.

Arbeiten umgeben von Grün: Das ehemalige Thorens-Werk in Sainte-Croix besteht aus einer Ansammlung von Fabrikationsgebäuden, die von 1885 bis 1945 entstanden sind. Der südliche, heute denkmalgeschützte Teil des Ensembles beherbergt inzwischen ein kommunales Altenzentrum

Les Mélèzes – die 1912 erbaute großzügige Villa von Firmengründer Hermann Thorens. Für den Unternehmer alter Schule war es selbstverständlich, in direkter Nachbarschaft seines Lebenswerks zu wohnen

SCHWEIZER PRÄZISION ist eine anregende Mischung aus Information und Unterhaltung. Wobei an manchen Stellen Humor durchscheint – schließlich fängt das Werk den typischen Zeitgeist der 1950er und 1960er Jahre ein.

Zeitgenössisches Motiv aus dem „Record Omnibook“ des amerikanischen Thorens-Importeurs ELPA Marketing Industries in New Hyde Park bei New York

Ihre Lebendigkeit verdanken die beiden Bände zahlreichen auflockernden Kästen mit Zusatzinformationen, Kurzportraits, Statements, kleinen Nebenhandlungen und Anekdoten.

„Wenn Sie bei Schallplattenmusik sich entspannen – achten Sie auf das ELPA Gütesiegel.“ – Der US-Importeur vertrieb nur HiFi-Geräte der Spitzenklasse. Als Zugeständnis an die weibliche Seite wurden Tuner, Verstärker und auch der Plattenspieler Thorens TD 124 damals gern in Schränke eingebaut

Zahlreiche Laufwerke mit noch vierstelligen Seriennummern zeugen vom großen Markterfolg, den der Thorens TD 124 in den Staaten von Anbeginn an genoss. Selbst Tageszeitungen wie das Milwaukee Journal oder die St. Petersburg Times beschäftigten sich schon kurz nach dem Eintreffen der ersten Lieferung aus Sainte-Croix mit dem Flaggschiff. Der TD 124 kostete in den USA knapp 100 Dollar

Ungewöhnlich hoch ist der Bildanteil – etwa 60 Prozent. In SCHWEIZER PRÄZISION erwartet Sie keine „Schreibwüste“ eines versessenen, selbstverliebten Technokraten mit gelegentlich eingestreuten Abbildungen in Briefmarkengröße, im Gegenteil: Oft stand an erster Stelle das Beschaffen großflächiger Bilder – erst dann habe ich die Texte dazu verfasst – weshalb die Lektüre von SCHWEIZER PRÄZISION immer spannend bleibt.

SCHWEIZER PRÄZISION lebt von seiner Vielseitigkeit: Hier eine elegante Lady im Abendkleid mit armlangen Stulphandschuhen und Zigarettenspitze, die vor der 1960 größten Scott-Anlage posiert: Plattenspieler 711, Vorstufe 130, Tuner 330 und zwei Endstufen 250

Mir gefallen vor allem Ihre vielen Gespräche mit Zeitzeugen und Thorens-Besitzern“, bringt es ein Leser auf den Punkt. „Trotz der thematischen Beschränkung gibt es immer wieder neue Perspektiven und Abwechslung.“ Käufer berichten, sie hätten sich von der Familie verabschiedet und SCHWEIZER PRÄZISION an einem einzigen Wochenende ausgelesen – oder gar im Büro darin geschmökert, obwohl sie eigentlich hätten arbeiten sollen. „Der kommt aber nicht mit in den Urlaub“, beschied eine Frau ihrem Mann, als er seinen Schuber auspackte und sie das gemeinsame Besichtigungsprogramm in Gefahr sah.

Aufwendige grafische Bearbeitung

Seinen visuellen Reiz verdankt SCHWEIZER PRÄZISION dem Layout eines versierten Grafikers – bei privat finanzierten Büchern keine Selbstverständlichkeit. Meist ist da aus Kostengründen „Do-it-yourself“ angesagt – was man dem Ergebnis dann auch ansieht.

Als Designer des Mitgliedermagazins „analog“ der Analogue Audio Associaton hat Udo Beykirch mit der Umsetzung des Plattenspieler- und Tonarm-Themas viel Erfahrung

Besondere Aufmerksamkeit galt dem optischen Aufbereiten der bis zu 70 Jahre alten Vorlagen, die Udo dank digitaler Bildbearbeitung praktisch in den Neuzustand versetzt hat. Niemand zählt die Photoshop-Stunden, die in dieses Projekt geflossen sind! Kein Aufwand, keine Mühe wurde gescheut, die einmaligen historischen Dokumente für SCHWEIZER PRÄZISION aus unzähligen Quellen zu beschaffen und ihnen ihren ursprünglichen Glanz zu verleihen. „Man will dieses Werk nicht weglegen“, bekennt ein Buchkäufer. „Die zahlreichen ultrararen Abbildungen, für die man allein ein Mehrfaches des Schuberpreises ausgeben müsste, und die Reproqualität sind der Hammer!“

Verschmutzt, zerknittert und an den Rändern eingerissen … war ursprünglich dieses seltene Prospektmotiv aus dem Archiv von Jürg Schopper

Buchdruck in Deutschland

Im Lauf meiner achtjährigen Recherche und Schreibarbeit wuchsen Manuskript und Bildmaterial von SCHWEIZER PRÄZISION immer weiter. So dass ich irgendwann bei Druckereien anfragte, wo denn die seitenmäßige „Deadline“ für ein Buch läge, das sich noch sicher binden (und handhaben …) lässt. „Maximal 800 Seiten“ lautete fast einhellig die Anwort. – Erschütternd, denn ich war bereits bei zirka 600 Seiten angekommen – und sah noch lang kein Ende meiner Themen!

Die rettende Idee, SCHWEIZER PRÄZISION in zwei Bände aufzuteilen und in einem schicken Schuber zu vereinen, kam mir auf einer Wanderung in den tiefen Wäldern meines Heimatorts.

Schmitten im Taunus: Links oberhalb der Nebelbank der Turm der Burg Reifenberg, im Hintergrund der Kleine Feldberg (826 m), rechts der Weilsberg (701 m)

Schließlich die Auswahl einer passenden Druckerei: Es gibt heute verlockende Angebote, solch ein anspruchsvolles Werk im Ausland zu drucken und dabei Geld zu sparen. So wurde das wunderschöne McIntosh-Buch von Ken Kessler in Hongkong realisiert. Preiswerte Offerten gibt es auch aus China – oder näher – aus Polen und Litauen. Druckereien, die fast ein Drittel günstiger als deutsche Betriebe anbieten können.

Druckerei KOPA in Kaunas/Litauen. Der hochmoderne Betrieb arbeitet mit deutschen Druckmaschinen wie der Heidelberg Speedmaster

Mir lag ein solch günstiges Angebot einer großen Druckerei im litauischen Kaunas vor. Dazu das Bonbon eines kostenlosen Hotelaufenthaltes während der Druckabnahme samt Stadtbesichtigung mit meiner Frau. Flankiert vom Hinweis, dass es Flüge nach Litauen ab Frankfurt-Hahn mit Wizzair schon ab 30 Euro gibt. Alles wunderbar – aber was ist, wenn nach dem Druck ein übernächtigter Sprinter-Fahrer die Auflage ausliefert und die Qualität möglicherweise nicht stimmt? Dann ist guter Rat teuer – das Risiko eines mehr als 1500 Kilometer entfernten Druckpartners wollte ich nicht eingehen.

Die Lösung bestand schließlich in der Annahme eines überzeugenden Angebots der Druckerei Steinmeier in Deiningen – einer kleinen Gemeinde bei Nördlingen/Ries. Empfohlen hatte mir Steinmeier mein Schmittener Autorenkollege Wolfgang Ettig, der dort seine lokalhistorischen Bücher zur vollen Zufriedenheit drucken lässt.

Druckerei Steinmeier – ein mittelständischer grafischer Betrieb im beschaulichen Deiningen

Steinmeier ist auf hochwertigen Buchdruck spezialisiert und kann selbst Auflagen unter 500 Exemplare wirtschaftlich drucken. In Anbetracht des speziellen Themengebiets von SCHWEIZER PRÄZISION und des dadurch beschränkten Abnehmerkreises ein wichtiger Vorteil.

Gedruckt wurde SCHWEIZER PRÄZISION bei Steinmeier auf einer Hightech-Druckmaschine des renommierten Würzburger Herstellers Koenig & Bauer.

Offsetdruck auf der KBA Rapida 106 mit fünf Druckwerken. Die Maschine druckt bis zu 20000 Bogen pro Stunde bei nur geringen Rüstzeiten – und damit sehr wirtschaftlich

Den eleganten Schuber aus starkem Karton hat eine darauf spezialisierte Buchbinderei gefertigt. Die genauen Abmessungen hat Thomas Volk bestimmt – eine knifflige Aufgabe, die der Steinmeier-Geschäftsführer zur Chefsache macht.

Dank der Dimension des Schubers haben die beiden versiegelten Bände darin kein nennenswertes Spiel. Sie passen aber auch nach intensivem Gebrauch noch sicher hinein

Vergleich eines gedruckten Bogens mit der Anzeige am Bildschirm: Beim dem „Inpress Control“ genannten Prüfverfahren macht die Druckmaschine von jedem achtzehnten Bogen eine Kontrollaufnahme

Hier steuert Buchdrucker Marco Moll die Farbzugabe der gewaltigen Offset-Druckmaschine von Koenig & Bauer

Zur Raster- und Passkontrolle benutzt der Drucker den Fadenzähler – eine Art Messlupe. Als Vorlage dient ihm die zweite englische Auflage SWISS PRECISION

Meine persönliche Anwesenheit beim Andruck, die mir Vertriebsmitarbeiter Patrick Weidel ermöglichte, bedeutete für mich Höhe- und Schlusspunkt der achtjährigen Arbeit an SCHWEIZER PRÄZISION

Anschließend hat Steinmeier auch die wichtige Lagerung der Schuber übernommen. Denn die nach Tonnen wiegende Auflage konnte ich ja schwerlich bis zum Verkauf des letzten Exemplars zu Hause aufbewahren. Was für mich allerdings jedesmal eine Tagesreise und 600 Kilometer mehr auf dem Tacho bedeutet, wenn ich in Deiningen für meine Buchkunden Nachschub „in haushaltsüblichen Mengen“ hole. Darüber sollten die Kreise, die sich über den Kaufpreis von SCHWEIZER PRÄZISION aufregen, auch mal nachdenken.

Hochregallager der Druckerei Steinmeier: Hier sind die Schuber auf Europaletten bis zum Verkauf des letzten Exemplars sicher eingelagert