Der Weg zu meinen Büchern

Plattenspieler begleiten mich schon seit meiner Kindheit. Mein Großvater Hugo Bung (1884-1967) war Geschäftsführer und Teilhaber der Uhrenfabrik Tobias Bäuerle & Söhne in St. Georgen im Schwarzwald. In der „Villa Bung“ weilte ich gern und oft zu Besuch. Auf dem Weg vom Bahnhof in die Klosterbergstraße passierte ich stets das Werksgelände des Phonoherstellers Perpetuum-Ebner. Dort muss ich mir den Virus eingefangen haben.

Villa Bung, St. Georgen, Klosterbergstraße 27,
im Jahre 1925
links der Klosterweiher,
rechts im Hintergrund das Brigachtal

Den Thorens TD 124 besaß ich schon zu Studentenzeiten. Weil der Spieler in der Werkszarge zum Rumpeln neigte, trennte ich mich aber wieder von ihm. Ein Schritt, den ich später bedauerte. Denn als Liebhaber alter Schallplatten war ich von dem nostalgischen Aussehen des Schweizers – bauchiges Chassis, nierenförmiges Bedienungsfeld und „industriegraue“ Farbe – immer noch begeistert. Ebenso von der Möglichkeit, Einzeltonarme auf Holzbretter vorzumontieren und auf dem Laufwerk nach Belieben zu verwenden. Ganz zu schweigen von der praktischen Tellerkupplung, über die bis heute kein anderer Heimplattenspieler verfügt. Faszination, die nie vergeht.

Mein erster TD 124: Graues Laufwerk der Serie II mit SME-Tonarm 3012/II und breitem Armbrett in langer Luxuszarge von Thorens-Importeur Paillard-Bolex in München

Um 1990 wurde meine unterschwellige Wissbegierde in Sachen Thorens TD 124 und anderer HiFi- Klassiker so groß, dass ich im Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main die ersten Jahrgänge der Zeitschrift HiFi-Stereophonie Seite für Seite studierte. Dabei stieß ich auf die Schilderung eines Besuches im Thorens-Werk in Sainte-Croix mit sensationellen Bildern von der Produktion. Genau dieser Reisebericht von Chefredakteur Ernst Pfau mit dem Titel „Plattenspieler in der Qualitätskontrolle“ war für meine Bücher der Aufhänger und brachte den Stein ins Rollen.

Mein Thorens TD 124,
Seriennummer 14302:
Das 1959 gebaute Laufwerk ist mit Ortofon-Tonarm RMG 212, Ortofon-Zarge ST 104 und dem schwedischen SELA-Armbrett mit eingebautem Lift ausgerüstet

Der Veröffentlichung der ersten Auflage gingen mehrere Jahre intensiven Quellenstudiums voraus. Ich konnte wichtige Zeitzeugen befragen und für die Illustration aus dem Fundus von Fachleuten wertvolle Unterlagen gewinnen. Höhepunkt war die persönliche Begegnung mit dem 89jährigen Robert Thorens in Sainte-Croix nach einer aufregenden, im Buch geschilderten Nachtfahrt in die französische Schweiz. Das Interview über seine Zeit als Chefingenieur der ehemaligen Fabrik, durch das ich beharrlich verbreitete Irrtümer ausräumen konnte, verleiht Schweizer Präzision einzigartige Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Informationen aus erster Hand: Der Buchautor im Gespräch mit Robert Thorens in dessen Privathaus in Sainte-Croix; Foto: Dominique Thorens

Kurz vor Redaktionsschluss der dritten Auflage noch eine Überraschung: Es gelang mir, in der Schweiz den Mann ausfindig zu machen, der 1963 die besagten Aufnahmen in der Thorens-Fabrik angefertigt hat! Außer unzähligen Schulklassen und Brautpaaren hat Gerd Pinsker Häuser, Landschaften sowie gelegentlich auch Gewerbe- und Industriebetriebe fotografiert. Der von mir spät Entdeckte – schlohweißes Haar, leicht gebückt, aber voller Energie, wenn die Rede auf die Fotografie kommt – war über 50 Jahre mit der Kamera unterwegs.

In der Schweiz ausfindig gemacht: Fotograf Gerd Pinsker beim Sichten der alten Thorens-Negative im Gemeindearchiv Riehen

Der Fotograf freute sich über mein unverhofftes Interesse an den im Gemeindearchiv Riehen bei Basel sorgfältig aufbewahrten Reportagebildern, den Dank und die Anerkennung seiner Arbeit. Und ich freue mich, diese historisch wertvollen Aufnahmen von Negativen in den Formaten 6 x 6 und 6 x 9 cm in der dritten Auflage meines Buches nun endlich großformatig und in bester Qualität wiedergeben zu können.

Reine Handarbeit: Montage des Plattenspielers Thorens TD 124 in Sainte-Croix im 1928 errichteten Fabrikgebäude an der Rue du Jura; Foto: Gerd Pinsker

Portrait des Autors in der Taunus-Zeitung:
http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Joachim-Bung-besitzt-8000-Platten-aus-den-50er-und-60er-Jahren;art48711,2922588

Stammtisch Rhein-Main der Analogue Audio Association (AAA) in Schmitten im Taunus, Sommer 2004: Holger Trass, Betreiber der Webseite thorens-info.de, mit dem Autor und Musikautomat Wurlitzer 1800, Baujahr 1955, 104 Titelwahlen