Wer trägt welche Nummer?

Öfters werde ich zu folgenden spannenden Themen befragt:

Welche Seriennummer hat der erste Thorens TD 124? Wann fand der Übergang vom geraden zum abgeschrägten Tonarmbrett statt? Warum ist bei manchen Laufwerken der Schwungteller dunkelgrün? Bei welcher Seriennummer vollzog sich der Übergang von der ersten zur zweiten Version? Welche Nummer trägt der letzte in Sainte-Croix hergestellte TD 124/II?

Fragen über Fragen – hier die Antworten:

Thorens hat das Zählen des ab 1957 gebauten TD 124 mit der Seriennumer 1001 begonnen. Auch Garrard folgte bei seinen Modellen 301 und 401 diesem Muster

Das genaue Datum des Produktionsbeginns 1957 in Saint-Croix ist mir nicht bekannt. Das Laufwerk mit Seriennummer 1102 entstand aber mit Sicherheit im ersten oder zweiten Produktionsmonat

Bei sehr frühen TD 124 hat das Brett einen geraden Abschluss am Chassis. Das abgeschrägte Tonarmbrett wurde erst ab etwa Seriennummer 8000 eingeführt

Laufwerke bis etwa Seriennummer 25000 haben ein dunkelgrünes Schwungrad. Hat ein Thorens TD 124/II einen solchen Schwungteller, stammt er von der ersten Serie und wurde getauscht

Bei rund drei Vierteln der Produktion kam der bekannte hellgrüne gusseiserne Schwungteller zum Einsatz

Von Serie I zu Serie II

Der Übergang von der ersten zur zweiten Version hat sich im Frühjahr 1965 bei den niedrigen Produktionsnummern des 59. Tausend vollzogen.

Hier das Typschild eines der letzten cremefarbenen Laufwerke. Das Foto zeigt den Zustand vor der Revision

Thorens hat die Zählung der Laufwerke bei Erscheinen des TD 124/II fortgesetzt, Garrard hingegen beim Modell 401 neu zu zählen begonnen. So sind nach dem Garrard 301 mit Seriennummern bis etwas über 80000 noch Laufwerke 401 mit Produktionsnummern bis zirka 55000 hinzugekommen. Es waren also insgesamt etwa 135000 Garrards – deutlich mehr als vom Rivalen Thorens TD 124.

Belegt ist ein früher TD 124/II mit Seriennummer 59320. Das Laufwerk für den USA-Export mit Nummer 59488 wurde ebenfalls noch im ersten Halbjahr 1965 ausgeliefert

Cremefarbene Laufwerke TD 124 über 59000 und graue TD 124/II unter 59500 sind demnach interessant und selten.

Steigende Produktionszahlen

Vom TD 124/II konnte Thorens in den dreieinhalb verbleibenden Produktionsjahren noch rund 35000 Exemplare absetzen. Das ist verhältnismäßig mehr als von der ersten Version, die in sieben Jahren gut 58000 Käufer fand. Die Zahl der HiFi-Interessenten und derjenigen, die sich den 124er leisten konnten, nahm in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre mit der Wirtschaftsblüte deutlich zu.

Die höchsten Seriennummern der bis Ende 1967 hergestellten TD 124/II liegen in den 94 oder 95 Tausendern. Der Schweizer Bernhard Streit besitzt ein noch nicht ausgepacktes Laufwerk aus den allerletzten Produktionstagen. Hier der TD 124/II mit Seriennummer 93281

Lange habe ich gerätselt, weshalb der Thorens TD 124/II bis Ende 1967 noch in erheblichen Stückzahlen gebaut wurde, obwohl das Werk in Sainte-Croix mit ehemals 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits Mitte 1966 offiziell geschlossen worden war. Die Antwort lieferte Gerhard Weichler. Mein Autorenkollege und Thorens-Kenner erklärte mir, die Nachfrage nach dem Klassiker sei damals so groß gewesen, dass noch etwa 20 verbliebene Kollegen mit dem Weiterbau des TD 124/II aus großen Beständen an Bauteilen beschäftigt waren. Dadurch war der TD 124/II bis zum Nachfolger TD 125 im Jahr 1968 nahtlos im Handel erhältlich.

In Deutschland führte der Gesamtprospekt von Paillard-Bolex den Thorens TD 124/II mit TP 14-Tonarm letztmalig in seiner Ausgabe vom November 1968 als noch erhältlich auf. In Großbritannien war er aus Importbeständen, wie diverse Händleranzeigen in den Zeitschriften Gramophone und Hi-Fi News belegen, sogar bis Ende 1970 fabrikneu lieferbar. Selbst Importeur Metro Sound bewarb an der Schwelle zum neuen Jahrzehnt noch den „Transcription Turntable TD 124“ zum Preis von 46 Pfund – neben dem neuen TD 150/II und dem bereits eingeführten „Electronic Turntable“ TD 125, für den allerdings die stolze Summe von 75 Pfund verlangt wurde.

Wie es mir 1970 gelungen war, sogar noch in Deutschland einen nagelneuen, orginalverpackten Thorens TD 124/II zu kaufen, erfahren Sie in Band 1 meines Werkes SCHWEIZER PRÄZISION.