Ungeliebt und still begraben

Lang stand der Garrard 401 im Schatten seines berühmten Vorgängers. Selbst auf seinem Heimatmarkt Großbritannien wurde das Laufwerk bei seinem Erscheinen 1965 ziemlich frostig aufgenommen. Die Verantwortlichen bei Garrard konnten nie verstehen warum.

Das kantige Design des Garrard 401, um Moderne bemüht, empfinden selbst Briten als konservativ

Die Produktion des Garrard 401 beginnt in Swindon zunächst parallel zu der des überaus bewährten 301, der immer noch Käufer findet. Das Äußere des 401, das der Hersteller als „elegante Erscheinung wie die der besten heimischen Ingenieursprodukte“ bezeichnet, hat Eric Marshall entworfen, der auch einigen Garrard-Spielern für den Massenmarkt ihr Gesicht gab.

HiFi-Urgestein Percy Wilson, der den Garrard 401 im Juli 1965 in der Zeitschrift Gramophone vorstellt, gefällt das Styling überhaupt nicht. „Ich glaube, dass Marshall hier weniger erfolgreich war als bei der Gestaltung des Garrard LAB 80“, schreibt er mit britischem Understatement. „Die Schaltknöpfe sind aufgrund ihrer Form nicht besonders gut zu bedienen.” Bedauerlich findet Wilson auch die im Vergleich zum 301 gewachsenen Abmessungen, der ohnehin schon schwierig in einige der damals beliebten Musikschränke einzubauen war.

Blick auf die Unterseite des Chassis: Im Zentrum der riesige Antriebsmotor – aufwendiger gebaut und eindrucksvoller als der E-50-Motor des Thorens TD 124

Zu den technischen Verbesserungen beim 401 zählt eine stärkere magnetische Abschirmung des Motors, wovon die in Großbritannien beliebten, aber brummempfindlichen Decca-Tonabnehmer profitieren. Der Motor nimmt nicht mehr 16, sondern nur noch 12 Watt Strom auf und arbeitet laufruhiger als der des Vorgängers.

Der Garrard 401 hat einen einstufigen Reibradantrieb – ohne Entkopplung durch ein von Riemen angetriebenes Zwischenrad

Auf der neuen silbernen Bedienungseinheit sind die drei Schalthebel des Garrard-Laufwerks nach links gewandert. Dadurch ist es nun ausgeschlossen, dass man mit dem Handrücken versehentlich die Abtastnadel streift, während man, wie beim 301, am rechten Schalter die Geschwindigkeit umstellt. Auch sind die Drehknöpfe des Garrard 401 aus Metall stabiler als die schwarzen Kunststoffhebel des Vorgängers. Wenn die Mechanik eines 301 durch gealtertes Fett schwergängig geworden ist, sollten seine Bedienungshebel keinesfalls mit Gewalt betätigt werden, da diese leicht abbrechen.

Der Stroboskopteller, beim Garrard 301 noch ein extra zu bezahlender Sonderwunsch, wird auf dem 401 zum Standard. Bereits die letzten Dreihunderteinser – Seriennummern jenseits der 80000 – werden mit dem Teller des 401 ausgeliefert. Zu erkennen sind diese ganz späten Elfenbein-Exemplare an der Gummimatte mit dem typischen Chromring.

Der frühe Teller des 401 hat eine glatte schwarze Oberfläche. Die Stroboskopmarkierungen sind stärker als beim 301 herausgearbeitet. Beim späteren Teller ist die Oberfläche außen grau, nach innen geflammt und am Rand leicht erhaben. Dadurch hat die Gummimatte besseren Halt und kann den Teller stärker dämpfen.

Vergleich der Stroboskopteller für 50 Hz (oben) und 60 Hz (unten)

Die für den Export nach Nordamerika produzierten Vierhunderteinser stattet Garrard mit einem etwas leichteren Stroboskopteller aus, der Markierungen für die Stromfrequenz 60 Hz trägt – in den Vereinigten Staaten und in Kanada heute ein gesuchtes Ersatzteil.

Der wuchtige Strobo-Teller bleibt 20 Jahre lang Alleinstellungsmerkmal der beiden Garrard-Laufwerke. Erst 1976 erscheint in Japan der direkt angetriebene Micro Seiki DDX-1000 mit noch eindrucksvolleren Markierungen für 33 ⅓ und 45 U/min am Tellerrand. Bald darauf statten auch andere japanische Firmen wie Technics und dann deutsche Hersteller ihre Plattenteller am Rand mit Stroboskop-Punkten aus. Bei Dual bis hinunter zu den schlichteren Modellen, womit die Sache viel von ihrem Reiz verlor.

Im Gegensatz zum Vorgängermodell verfügt der 401 über eine stationäre Neonlampe, welche die Markierungen des Stroboskoptellers anstrahlt. Garrard befindet sich in dieser Hinsicht etwas in Zugzwang, denn der heimische Wettbewerber Connoisseur, Acoustical in den Niederlanden und Thorens in der Schweiz haben längst Plattenlaufwerke mit eingebautem Leuchtstroboskop im Programm. Auch Goldring stattet sein neues Modell G 99 damit aus.

Die Strahlen der Lichtquelle unterhalb der Chassis werden beim 401 von einem kleinen rechteckigen Spiegel reflektiert und durch ein Plastikfenster nach oben auf den Stroboskopkranz geworfen. Die Neonlampe ist hell genug, um ihr Licht auch bei Tag auf das unterste Band zu werfen. Wer dagegen auf den Bändern für 45 und 78 U/min den Stillstand der Punkte kontrollieren will, muss das Tageslicht mit der Hand abschirmen.

Beleuchtung auf Knopfdruck

Aktivierung der Strobolampe bei ganz frühen Garrard 401

Bei den frühen Laufwerken befindet sich die Lampe nicht ständig in Funktion. Um sie zu aktivieren, ist der Knopf der Drehzahlfeinregulierung niederzudrücken. Garrard verabschiedet sich aber bald von dieser Lösung und gibt einer ständig brennenden Stroboskoplampe den Vorzug.

Weiteres Merkmal sehr früher Vierhunderteinser ist eine Hartcover-Bedienungsanleitung wie die des Vorgängermodells, jetzt allerdings nicht mehr in braunem, sondern olivgrünem Leineneinband. Die Anleitung im Hochformat taucht selten auf, noch seltener als so genannte „Addendum“-Ausgabe mit einem nachträglich angebrachten Aufkleber, der auf die geänderte Stroboskop-Beleuchtung hinweist.

Grünes Manual eines sehr frühen Garrard 401 mit Hartcover

Bald ersetzt Garrard das Büchlein durch eine einfachere broschierte Version im Querformat, die in einem blauen Schutzkarton steckt.

Normalausführung des Instruction Manual in blauem Schutzumschlag

Doch nach guter Tradition zählen auch bei den späteren Exemplaren eine Montageschablone, ein Fläschchen mit Lageröl, ein Adapter für Singles mit großem Mittelloch sowie diverses Kleinmaterial wie Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben zum Lieferumfang.

Natürlich auch das individuelle Messprotokoll, denn jedes Garrard-Laufwerk muss sich nach mindestens 24-stündigem Probebetrieb in der Fabrik, bei dem die sich bewegenden Bauteile gegeneinander einlaufen, einer rigorosen Kontrolle unterziehen. Ein solches individuelles, dem Laufwerk beigefügtes Messprotokoll des Herstellers hätte in der höchsten Qualitätsklasse auch dem Thorens TD 124 gut gestanden!

Endkontrolle eines Garrard 401 im Werk Swindon. Dazu ist das Laufwerk mit zwei Tonarmen von Rek-O-Kut bestückt

„Getestet wurden die Laufwerke auf einem schweren Betonblock, der federnd gelagert war und jede Art externer Vibration absorbierte“, wusste der inzwischen verstorbene Brian Mortimer, Sohn des 301-Konstrukteurs Edmund Mortimer, der bei Garrard als Leiter der Qualitätssicherung für die Fertigung des 401 maßgeblich verantwortlich war. „Zur Ermittlung der Daten für Gleichlaufschwankungen und Rumpeln dienten Spezialschallplatten von Decca. Nur speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen durften diese strengen Kontrollen durchführen.“

Einsatz bei Rundfunkstationen

So wundert nicht, dass nach dem Vorgängermodell 301 auch der Garrard 401 in Tonstudios und bei der British Broadcast Corporation (BBC) zahlreich eingesetzt wird – im folgenden Bild mit den hauseigenen Tangentialtonarmen.

Sendestudio der BBC mit fünf Garrard-Laufwerken 401

Auch kleinere Radiostationen, die sich einen EMT 930 nicht leisten können, schätzen die Garrard-Laufwerke wegen ihrer Robustheit und Alltagstauglichkeit.

Garrard 301 mit dem Garrard-Tonarm TPA/12 bei einem Rundfunksender in Manila

Bei Radio Veronica – einer niederländischen Piratenstation, die von 1960 bis 1974 auf Sendung ist, sind insgesamt zwölf Garrard-Laufwerke im Einsatz – zwei auf dem vor Scheveningen verankerten Sendeschiff „Norderney“ und je zwei in den fünf Studios an Land.

Außerhalb der Drei-Meilen-Zone: das Sendeschiff „Norderney“

Mehr als 5 Millionen Hörer verfolgen damals die von Garrard 401 aus der Nordsee verbreitete Pop- und Rockmusik – bei insgesamt 13,5 Millionen Einwohnern des Königreichs.

Veronica-Moderator Sytze Gardenier im Studio mit zwei Garrard-Laufwerken. Der niederländische Zwölfzoll-Tonarm auf dem 401 ist ein Acoustical 2700 mit dem studiotauglichen Shure M 44-7. Dank Erzeugung der Auflagekraft durch Feder bringen Schiffsbewegungen den „seegängigen“ Acoustical nicht aus der Rille (© Stichting Norderney – Holland)

Verhaltenes Presse-Echo

„Robust“ – dieses Prädikat verleiht in Deutschland Stratos Tsobanoglou dem Vierhunderteins im Jahre 1968 in einem Testbericht der Zeitschrift fono forum. „Ein Blick in die Mechanik unterhalb der Platine zeigt, dass alle Teile groß dimensioniert sind und aus dickem Stahlblech bestehen. Sie bieten dem Betrachter ein schon fast ungewöhnliches Bild handwerklicher Massivität.“

In der Zusammenfassung schreibt Tsobanoglou über das relativ preisgünstige Modell: „Während der Erprobungszeit mit den verschiedensten Tonabnehmern an einem langen Sony-Tonarm PUA 286 erwies sich der Garrard 401 als ein Laufwerk, das den Anforderungen an hochwertige HiFi-Apparaturen dieser Gattung weitgehend entspricht. Wenn es auch nicht der eng umrissenen Gruppe der absoluten Spitzengeräte angehört.“

Britischer Prospekt des Garrard 401

Ähnlich äußert sich in Großbritannien in der Zeitschrift Hi-Fi News Ralph West, der kleinere Unzulänglichkeiten am Garrard 401 bemängelt. „Wer die besten Uhren, die besten optischen Linsen und Kameras kaufen will, sieht sich bei uns heute im Ausland danach um“, stellt er fest, um dann besorgt zu fragen: „Müssen wir der wachsenden Liste solcher Produkte bald auch Transkriptionslaufwerke hinzufügen?“

Percy Wilson vom Konkurrenzblatt Gramophone sieht ebenfalls zu Jubel keinen Anlass:

„Alles in Allem stellt der 401 keinen Fortschritt dar. Ich war und bin mit meinem 301 zufrieden.“

Sparmaßnahmen am 401

Als Ende der 1960er Jahre die Kosten für einige Materialien steigen und die Herstellung des 401 Verluste bringt, greift Garrard zum Rotstift. Als erste Maßnahme wird die bisherige aufwendige Stroboskopbeleuchtung mit Spiegel und Schacht durch eine einfache Lampe ersetzt. In den Schacht montiert, strahlt sie den Teller direkt an. Die mittleren und späten Laufwerke ab etwa Seriennummer 25000 haben diese Form der Beleuchtung.

Simple Lampe zur direkten Beleuchtung des Stroboskopkranzes

Für die Ausführung der letzten Produktionsjahre wird der Garrard 401 äußerlich überarbeitet. Die Beschriftung des Bedienungsfeldes erhält ein moderneres Aussehen. Das vornehm glitzernde Anthrazit des Chassis muss bei einigen Produktionschargen Standardfarben in einem einfachen Braunton oder einem langweiligen grünlichen Grau weichen. Das Feld mit dem Schriftzug „Garrard 401“ aus massivem Metallguss wird durch eine Alternative aus Plastik ersetzt.

Später Garrard 401 ab etwa Seriennummer 33000 mit modernisiertem Platinendesign und Firmenschild aus Plastik

Zuletzt bleibt selbst das Typenschild unter dem Teller von den prüfenden Blicken der Sparkommissare nicht verschont. Bei den meisten Exemplaren der späten Ausführung besteht es aus einer einfachen metallisierten Folie anstelle des bisherigen massiven Schildes aus Aluminium, in das die Seriennummer eingraviert ist.

Typenschild eines 401 aus massivem Aluminium

Typenschild eines späten 401 als metallisierte Folie

„Aber diese späten Exemplare bieten die gleichen Leistungen wie die frühen und mittleren Ausführungen“, schreibt Haden Boardman 1996 in einem Beitrag über die Garrard-Laufwerke für die britische Zeitschrift Classic Hi-Fi.

Schwache Präsenz in Deutschland

In Deutschland fristet der Garrard 401 ein Mauerblümchendasein. 1965/66 noch im Deutschen High Fidelity Jahrbuch gelistet, taucht das Laufwerk schon in der Folgeausgabe 1967/68 nicht mehr auf.

Ich selbst habe den 401 nie in einem HiFi-Studio vorführbereit gesehen – er hätte ohnehin trotz des eindrucksvollen Strobokopkranzes weniger mein Interesse gefunden. Damals achtete ich sehr auf das Tellergewicht eines Plattenspielers als Garant für gute Gleichlaufeigenschaften. Und da hatte der Garrard eben nur rund drei statt wie der Thorens TD 124 fünf Kilogramm zu bieten. Der dicke Teller des 401 war, hart gesagt, also ein Blender. Dennoch gab er natürlich nie Anlass, über mangelnden Gleichlauf zu klagen.

Der Garrard 301 ist ab 1959 über die deutsche Garrard-Vertretung in Frankfurt am Main erhältlich, ab 1961 über die ebenfalls in der Mainmetropole ansässige Garrard-Audioson GmbH. 1964 übernimmt das Bremer Handelshaus Melchers & Co. den Garrard-Vertrieb. Deutscher Importeur des Nachfolgers 401 ist ab 1966 die Firma Ing. Franz Eben in Dachau

1972 versucht der damalige Kölner Garrard-Importeur Boyd & Haas, den 401 in einem verlockenden Paket an den Mann zu bringen. Er kombiniert das Laufwerk mit den letzten lieferbaren Exemplaren des Tonarms SME 3012/II, einem Magnetsystem von Pickering sowie einer langen Zarge und Haube. Dann bietet er diese Luxuskombination zu einem Kampfpreis an – ohne nennenswerten Erfolg. Zu übermächtig ist die deutsche Konkurrenz, zu groß inzwischen der Vorbehalt gegen den Reibradantrieb.

Mitte der 1970er Jahre beginnt man in Swindon die fernöstliche Herausforderung zu spüren. Attraktive japanische Plattenspieler mit Riemenantrieb wie Modelle von Pioneer verdrängen in Großbritannien und auf dem für Garrard enorm wichtigen US-Markt die Konsumklassegeräte aus den Verkaufslisten.

„Wir waren stolz auf den 401 und hatten sogar Pläne für einen hochwertigen Direktantrieb in der Schublade“, erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter der Fabrik. „Doch unsere Muttergesellschaft Plessey hatte nie ein besonderes Interesse an der Weiterentwicklung von Garrard. Sie scheute die Entwicklungskosten, da wir ohnehin mit dem 401 kein Geld verdienten und die billigeren Modelle das Flaggschiff subventionieren mussten. Als Technics dann seinen SP-10 vorstellte, ahnten wir, dass unsere Tage gezählt sind.“

Zuletzt ist der altertümliche 401 nur noch ein Witz. 1977 wird das Laufwerk – abgesehen vom Lenco L 78 der einzig verbliebene HiFi-Plattenspieler mit Reibradantrieb und Schellack-Drehzahl – still und leise aus dem Programm genommen.

Neubesinnung in Fernost

In den darauf folgenden Jahren zählen die Garrard-Laufwerke 301 und 401 in Großbritannien, wo sich kaum jemand mehr für HiFi-Geräte der 1960er Jahre interessiert, zum alten Eisen und werden erbarmungslos verschrottet.

In Japan dagegen halten Liebhaber an Röhrenverstärkern, Hornlautsprechern sowie alten Ortofon-Armen und SPU-Tonabnehmern fest. So dauert es auch nicht lange, bis sich japanische Fans wieder auf die Vorzüge klassischer Reibradspieler wie den Garrards mit direkter Ankopplung des Motors an den Plattenteller besinnen. Ein halbes Dutzend Firmen beginnt damit, im Auftrag von HiFi-Händlern auf Tokyos „Akihabara“-Elektronikmeile ungeliebte Garrard-Laufwerke aus England aufzukaufen.

Japaner sehen im Garrard 301 den HiFi-Klassiker schlechthin. Die nationale HiFi-Presse teilt diese Meinung

Heute gilt der mit hoher Ingenieurskunst konstruierte sowie außergewöhnlicher Präzision und Sorgfalt gebaute Dreihunderteins in Fernost als Ikone des goldenen Audio-Zeitalters. Von japanischen Audiophilen in Ehren gehalten, ist das hammerschlaggraue oder elfenbeinfarbige Laufwerk nicht selten Bestandteil von High-End-Anlagen mit fünf- oder sechsstelligen Preisschildern. Manche Exemplare werden in viele tausend Euro kostenden Spezialzargen betrieben.

Seit rund 20 Jahren sind aber auch in Europa die Garrards wieder im Kommen, wo gute Exemplare inzwischen zu Preisen gehandelt werden, die den ehemaligen Listenpreis weit übertreffen. Zunächst gilt die Entwicklung für den 301. Dann gerät auch der 401 wieder zunehmend ins Blickfeld, dessen Liebhaberwert sich – perfekte und unverbastelte Erhaltung vorausgesetzt – inzwischen in ähnlichen Regionen wie der seines Vorgängers bewegt.

Europäische Wiedergeburt

Zu verdanken ist die europäische Rückbesinnung dem Briten Terence („Terry“) O’Sullivan. Ihn begleitet das Thema schon seit 1958, als er seinen ersten „Bush“-Plattenspieler geschenkt bekam. Von einem Garrard 301 träumt er bereits in den 1960er Jahren als junger Mann. Doch erst als er 1979 in der nahe gelegenen Fabrik in Swindon aus Lagerbeständen einen 401 kaufen kann und sich dem Bau hochwertiger Zargen zuwendete, kommt der Stein ins Rollen.

O’Sullivan beginnt mit dem Sammeln und der fachmännischen Restauration gebrauchter Garrard-Laufwerke. 1990 gründet er dazu, ermutigt von seinem Freund und späteren Mitarbeiter Nigel Pearson, die Firma Loricraft Audio. Bis zur endgültigen Schließung der Garrard-Forschungsabteilung ist O‘Sullivan dort häufiger Gast. 1997 erwirbt er die Rechte an dem Firmennamen. Nach der Übernahme von Loricraft liegen sie heute bei SME.

Von Loricraft restaurierter Garrard 401 aus meinem Bestand. Das Laufwerk mit Seriennummer 8453 wurde 1966 gebaut. Die Loricraft-Zarge besteht aus hellem Eschenholz. Der Tonarm auf dem weinroten Motorboard war hier noch ein SME 3012-R. Heute betreibe ich diesen 401 mit einem seltenen SME 3012/II aus der ersten, nur 1962/63 produzierten Serie.

Bei diesen frühen Armen der Serie II ist nicht nur das Gegengewicht zweigeteilt, sondern auch die hintere Sektion wie beim SME 3012/I auf dem Armrohr nicht verschiebbar

Der elegante Garrard-Schriftzug ist bei der Loricraft-Zarge von innen in die wertige Staubschutzhaube geätzt

Ein funktionierender „301 Motor“ ist heute im Online-Auktionshaus unter 2000 Euro kaum zu bekommen. Die Preise für einen Garrard 401 liegen nur noch 15 bis 20 Prozent unter den 301ern. Wobei es sich bei Angeboten aus dieser Bezugsquelle und in dieser Preisregion häufig um Laufwerke in mäßigem Erhaltungszustand, um „vom Verkäufer generalüberholte“ – im Klartext: von Laien hergerichtete – oder um verbastelte Spieler handelt.

Beim Garrard 401 spielt sein optischer und technischer Zustand eine größere Rolle als die Frage, ob es sich um ein frühes, mittleres oder spätes Modell handelt. Top-Preise erzielen Laufwerke mit Besonderheiten wie zuschaltbare Stroboskopbeleuchtung oder 60 Hz-Plattenteller.

Zahlreiche Garrard-Laufwerke wurden mit dem in Großbritannien beliebten Plattenbesen „Dust Bug“ betrieben. Ist dessen Saugfuß später entfernt worden, verbleibt auf der linken Chassis-Seite meist ein mehr oder minder sichtbarer kreisrunder Abdruck, was den Wert eines gebrauchten 301 oder 401 mindert.

Das silberne Bedienungsfeld des 401 ist sensibel für Kratzer, und der anthrazitfarbene Metallic-Lack reagiert auf übermäßiges Polieren empfindlich. Wer ein Exemplar betreibt, dessen graues Chassis durch besagtes Polieren nicht fleckig geworden ist, kann sich glücklich schätzen. Ebenso, wenn der auffällige Chromring auf dem Teller keine Dellen aufweist.

Im Neuzustand ist der stoßempfindliche Ring wie auch das Bedienungsfeld von einer abziehbaren Folie geschützt

Dass der Garrard 401 früher für die Hälfte des Preises eines 301 gehandelt wurde, ist Jon Tiltman ein Rätsel. „Ich hatte einmal drei Garrard-Laufwerke Seit an Seite“, erzählt der HiFi-Liebhaber aus Bristol. „Der Fettlager-Dreihunderteins klang ziemlich dunkel und verschwommen im Vergleich zu seinem Nachbarn mit Öllager – der wiederum weniger Drive, Basswidergabe und klangliche Präzision bot als dritte im Bunde, der Garrard 401.“ Allerdings muss auch Tiltman zugeben, dass der 301 besser aussieht.

Professionelle Restaurierungen

Loricraft verfügt bei Garrard-Restaurierungen über großes Know-how, und das Ergebnis ist über jeden Zweifel erhaben. Allerdings haben die Arbeiten und ergänzenden Produkte auch ihren stolzen Preis.

Dr. Martin Bastin, ein Fachmann mit tiefen feinmechanischen Kenntnissen, entsprechenden Werkzeugen und einem makellosen Ruf, ist bei hochwertigen Garrard-Restaurierungen schon ein Vierteljahrhundert dabei. Er bietet auch massive „Maxplank“-Zargen an, die völlige Rumpelfreiheit der daran fest angekoppelten Garrard-Laufwerke garantieren.

Martin Bastin an der Drehbank seiner Garrard-Werkstatt

Mit Audio Grail sticht auch bei eBay ein Anbieter bemerkenswerter Restaurierungen hervor.

„Vintage Hi-Fi und Schallplatten sind unsere Leidenschaft“, schreibt Firmenchef Matthew Taylor auf seiner Facebook-Seite. Den Service von Audio Grail und die authentischen Restaurierungen alter Garrard-Laufwerke bezeichnet er als „labor of love“. Also als Arbeit mit voller Hingebung, in die – zusammengerechnet mit seinen Mitstreitern – ein Erfahrungsschatz von bald 120 Jahren einfließt. „Wir sind in erster Linie Sammler und verkaufen nur das, was wir auch selbst gern erwerben würden“, so das Credo des Teams. Um das höchstmögliche Niveau seiner Garrard-Aufarbeitungen zu sichern, kooperiert Audio Grail mit professionellen Lackierern und Fachleuten für Galvanotechnik.

Garrard hat die Gestänge unter dem Chassis mit Kadmium behandelt. Nach Entfernen des giftigen Schwermetalls erhalten diese Teile eine neue Zinkbeschichtung in einem Fachbetrieb für Galvanotechnik

Bei ihren Restaurierungsschritten zerlegen die Spezialisten von Audio Grail die Laufwerke komplett. Mehr als 90 Einzelteile werden von Fettresten, Schmutz und Staub gründlich gesäubert, hochglanzpoliert, geschmiert und wieder zusammengebaut. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Aufarbeitung von Motoren und Hauptlagern. Die Experten reinigen die Einzelteile mit Ultraschall und regenerieren Lager in einem warmen Ölbad, sodass sich die Poren des Sintermetalls mit frischem Öl vollsaugen können.

Deformierte Reibräder, ausgeleierte Motorfedern, abgenutzte Bremsfilze, zerkratzte Bedienungsfelder sowie abgebrochene Schalthebel werden durch neue Produkte der Firma Perfect Sound ersetzt. Von diesem Lieferanten sind auch ein 60-Hertz-Pulley für den Betrieb des Laufwerks in den USA sowie für den 301 eine neue Gummimatte erhältlich. Die originalen Matten weisen oft altersbedingte Risse auf, vor allem am Rand oder rund um die Tellerachse, wodurch die Zentrierung nicht mehr gewährleistet ist.

Die restaurierten Laufwerke werden in neue Spezialkartons mit passgenauen Einlagen verpackt

Bei dem Anspruch wundert es nicht, dass Audio Grail für Kunden eine Warteliste führen muss. „Die eBay-Auktionen der von uns restaurierten Garrards wirken als Multiplikatoren“, so Taylor. „Jede dieser Versteigerungen generiert zwei oder drei Wartungsaufträge und Laufwerksverkäufe außerhalb dieser Plattform.“

Sinnvolle Aufrüstungsmöglichkeiten

Einige sinnvolle Aufrüstungsmöglichkeiten bieten sich für die Garrard-Laufwerke an. Preiswerteste davon bei Exemplaren mit Stroboskopteller sind zwei Gummiringe, die in die horizontalen Rillen zwischen den Stroboskopmarkierungen eingepasst werden und den zum Klingeln neigenden Plattenteller wirkungsvoll dämpfen.

Wesentlich aufwendiger ist eine externe Stromversorgung, die die Drehzahlfeinregulierung über Wirbelstrombremse ersetzt. Problem dieser Bremse ist die Metallscheibe, auf welche die Magnetkräfte einwirken, und die direkt an der das Reibrad antreibenden Motorwelle angebracht ist. Eine leichte Flatterbewegung der Scheibe mischt sich als Schwingung dem Klangbild bei. Abhilfe bringt der komplette Ausbau der Bremse und Drehzahlregulierung über Änderung der Motorspannung. Die externe Steuerung hält auch Verunreinigungen der Netzfrequenz vom Motor fern, die ebenfalls unerwünschte Vibrationen erzeugen können.

Ich besaß mal die externe Steuerung von Martin Bastin, konnte aber bei meinem Garrard 401 keine Verbesserung feststellen – der klingt bei meinen alten Schallplatten auch mit Wirbelstrombremse sehr zufriedenstellend. Dagegen haben mich zwei mit der Spannungsverminderung verbundene Erscheinungen geärgert – der langsamere Anlauf des Plattentellers und die noch schwächere Beleuchtung des Stroboskopkranzes. Für einen High Ender sicher verschmerzbar – bei mir aber ein „No Go“.

Garrard 401 mit Gummiringen zur Tellerdämpfung und Beleuchtung des Stroboskopkranzes mit Keystrobe

Das Keystrobe des Briten John Daniel ist eine kleine, orangefarbene LED-Leuchte, die von einem Frequenzgenerator gespeist wird und die die serienmäßige Stroboskoplampe ersetzt. Erhältlich ist sie für den Garrard 301 mit Stroboskopteller sowie für den Nachfolger 401. Die Leuchtkraft ist enorm: Beim 401, siehe Foto, besteht das Keystrobe sogar den „Härtetest“ – das Anstrahlen des obersten Stroboskoprands für die Geschwindigkeit 78 U/min bei Tageslicht.

301 versus 401

Welches der beiden Garrard-Laufwerke das bessere ist, wird viel diskutiert. „Bei Fans beliebter ist der 301, teils wegen seiner klassischen Optik, teils wegen der vermeintlich besseren Qualität“, schreibt Bernhard Rietschel in der Zeitschrift Audio (Heft 6/2006). Der 401 sei in den ersten Baujahren zeitweise schlampig verarbeitet worden. Man hört dazu auch gegenteilige Meinungen, aber Terry O’Sullivan bestätigt: „Ich halte den 401 für die bessere Konstruktion. Aber er wurde weniger sorgfältig gebaut, und deshalb hat der 301 den besseren Klang. Die ideale Mischung wäre ein früher 301 mit dem Motor eines späten 401.“

Doch das sind nur Marginalien. Egal für welches der beiden Garrard-Laufwerke man sich auch entscheidet, die Wahl ist eigentlich immer richtig und kann den Besitzer sehr, sehr glücklich machen.

Später Garrard 401 mit zeitlich passendem Tonarm SME 3009/II unimproved und Shure M 55-E aus meinem Bestand

Hersteller der oben abgebildeten „Maxplank“-Zarge mit extravagantem Vogelaugenahorn-Furnier ist Martin Bastin, der auch das etwa 1972 gebaute Laufwerk sorgfältig revidiert hat. Laut Aussage des Fachmanns hat er während seiner langjährigen Erfahrung mit den Garrard-Laufwerken noch keinen 401 mit besserer Performance auf dem Arbeitstisch gehabt.

Von den späten Garrard 401 ist dieser hier einer der ersten – das Chassis mit 33000er Nummer trägt noch das Typenschild aus Aluminium und die Grundplatte das vornehme Anthrazit. Als Besonderheit hat das Laufwerk die aufwendige Stroboskopbeleuchtung der frühen Ausführung – quasi ein Unikat. Die Leuchtkraft wird durch das eingebaute Keystrobe verstärkt.